3073: LOTH, JOHANN CARL (GEN. CARLOTTO),

(München 1632-1698 Venedig; Zuschreibung), Minerva und Marsyas. Öl auf Leinwand, auf Hartfasterplatte. Nicht sign. und dat. (um 1670). 100 x 116 cm. – Gerahmt. (123)
Schätzpreis: 6.000,- €


Das große Gemälde zeigt Minerva, die Marsyas an einen Baum bindet. Minerva hatte laut Mythologie die Doppelflöte erfunden, war jedoch über ihr Spiegelbild beim Spiel so erschrocken, daß sie das Instrument abgelegt hat. Dem Faun Marsyas gefiel der Ton des Aulos so gut, daß er sich der Flöte annahm und sie zu spielen lernte. Er war von seiner Kunstfertigkeit derart überzeugt, daß er meinte, selbst den Gott der Musik, Apoll, im Wettstreit besiegen zu können. Doch er unterlag der Gottheit und wurde zur Strafe an einen Baum gebunden und geschunden, d. h. seine Haut wurde ihm abgezogen. In der Kunst wurde vermehrt die Strafe des Schindens dargestellt, so am bekanntesten bei Jusepe de Ribera (1591-1652) im Jahr 1637. Für unser Gemälde wählte der Künstler einen früheren Zeitpunkt in der Geschichte, nämlich die Gefangennahme des Faun. Die literarische Grundlage, wonach ihn Minerva selbst fesselte, konnte noch nicht ausgemacht werden. Eine sehr dezente allegorische Note erhält das Gemälde durch eine kleine Sanduhr in der rechten unteren Ecke, direkt an Marsyas‘ Hüfte. Sie weist auf die Vergänglichkeit der irdischen Eitelkeit hin, zu der sich der Faun hatte hinreißen lassen, im Gegensatz zu dem ewig Göttlichen personifiziert durch Minerva. – In der für Johann Carl Loth charakteristischen Kompositionsweise sind die Figuren recht nahe an den Betrachter gerückt, der dadurch Teil der Szene wird und das Dargestellte unmittelbar miterlebt. Die Protagonisten sind dabei als Halbfiguren wiedergegeben. In der Art der "Tenebrosi", zu welchen Loth zählt, erscheinen Minerva und Marsyas hell erleuchtet vor einem eher dunklen Hintergrund, wodurch ein reizvoller Kontrast entsteht. Auch das Sujet, eine mythologische Szene, entspricht dem Oeuvre des Künstlers, der jedoch vor allem für seine religiösen Szenen, vor allem Altarblätter bekannt ist. – Mit dezenten Retuschen und dickem Firnis. – Provenienz: aus Privatbesitz, Deutschland.

Minerva and Marsyas, attributed to Carl Loth. Oil on canvas, on hardboard. Not signed or dated (around 1670). The large painting shows Minerva on the left, tying Marsyas to a tree on the right. According to mythology, Minerva had invented the double flute. Marsyas liked the sound so much that he took up the flute and learned to play. He was so convinced of his skill that he thought he could defeat Apollo in a contest. He was defeated by the deity and was tied to a tree and flayed as punishment. In art, the punishment of flaying was increasingly depicted. For our painting, the artist chose an earlier point in history, namely the capture of the faun. The literary basis, according to which Minerva herself tied him up, could not be found. In the compositional style characteristic of Carl Loth, the figures are quite close to the viewer, who thus becomes part of the scene and directly experiences what is depicted. In the manner of the "Tenebrosi", to which Loth belongs, Minerva and Marsyas appear brightly lit against a dark background, creating a charming contrast. The subject, a mythological scene, also corresponds to the oeuvre of the artist, who, however, is best known for his religious scenes, especially altarpieces. – With discreet retouching and thick varnish. – Framed. – Provenance: from private collection, Germany.