3067: MANN, TH.,

Schriftsteller (1875-1955). E. Brief mit U. Dat. München, 18. 12. (19)17. 3 Seiten. – Doppelblatt mit e. Adresse (München, Poschingerstraße 1). (252)
Schätzpreis: 2.000,- €
Ergebnis: 2.400,- €


Höchst interessanter Brief über Thomas Manns schriftstellerische Tätigkeit gegen Ende des Ersten Weltkriegs. Das Schreiben ist an einen "hochgeehrten Herrn" gerichtet, vielleicht den Verleger Hugo Bruckmann, der ihn um ein Werk für seinen Literaturabend gebeten hatte, jedoch Manns frühe Erzählung "Der Wille zum Glück" ablehnte und ihn stattdessen um etwas noch Ungedrucktes gebeten hat. Mann antwortet ihm mit Verständnis und charakterisiert dabei die abgelehnte Erzählung, sie sei "ein sehr früher Versuch, mit 19 Jahren geschrieben". Es sei gerade "nichts Unveröffentlichtes vorhanden, – im Augenblick nicht, d. h. nichts Kurzes, Geschlossenes. Zwei Romane waren vor dem Kriege begonnen, die dann um anderer Dinge willen zurückgestellt werden mußten. Diese anderen Aufgaben – sie waren betrachtender Art – werden nun allerdings demnächst erfüllt sein, und ich denke ernstlich an eine kleine Prosaskizze, eine Art Tierstück, die ich dann in Angriff nehmen will, um mit ihr den Übergang vom Reden zum Machen zu suchen und hoffentlich zu finden. So ist nicht ausgeschlossen, daß ich Ihnen das geplante kleine Ding, bevor es gedruckt ist, für Ihren Abend werde zur Verfügung stellen können." Falls er das nicht schaffen sollte, so würde sich in den drei Novellensammlungen "Tristan", "Der kleine Herr Friedemann" und "Das Wunderkind" schon Ersatz finden, vielleicht auch das "Eisenbahnunglück" oder als Roman-Fragment das Kapitel "Der Schuster Hinnerke" sowie die "Bürgerball-Episode" aus der "Königlichen Hoheit". "Das sind ein paar Vorschläge. Aber hoffentlich wird etwas Hübsches aus der geplanten Skizze. Ich schicke Sie Ihnen dann." – Mit dem geplanten "Tierstück" kann nur die Erzählung "Herr und Hund" gemeint sein, die 1918 entstand und deren Erstausgabe 1919 für eine einmalige Vorzugsausgabe dem "Schutzverband Deutscher Schriftsteller" zugute kam. – Am Fuß zwei Vermerke des Empfängers zur Beantwortung vom 6. und 23. Januar des Folgejahres. – Bug unten mit kleinem Einriß, leichter Mittelfalz, gering gebräunt. – Zu Thomas Mann vgl. auch in der Abteilung Literatur des 20. Jahrhunderts die Nummer 3319, wo wir ein Arbeitstyposkript zum Vortrag "Der Künstler und die Gesellschaft" anbieten.

Handwritten letter, signed and dated München, 18. 12. (19)17. 3 pages. – Double-sheet with handwritten address (München, Poschingerstr. 1). – Addressed to an unknown "Dear Sir", maybe the publisher Hugo Bruckmann, who asked for a piece to read at his soirée, but refused Mann’s early story "Der Wille zum Glück" as it has already been published. Mann answers with understanding, mentioning that at the moment he has nothing to offer that has not been published before, and mentions works and ideas he is working on at the moment. – Bottom edge with notes by the addressee concerning answers from January 6. and 23. of the following year. – Small tear at the bottom, slight folding crease, slightly tanned. – For more by Thomas Mann see also lot 3319 in our modern literature section, where you find a work typoscript of the lecture "Der Künstler und die Gesellschaft".