271: AGRICOLA, G. A.,

Neu – und nie erhörter doch in der Natur und Vernunfft wohlgegründeter Versuch der Universal-Vermehrung aller Bäume, Stauden, und Blumen-Gewächse. 2 Teile in einem Bd. Regensburg, Petz, und Leipzig, Boetius, 1716-17. Fol. Mit 2 gestoch. Frontisp., gefalt. Portr. in Schabkunstmanier, 31 (statt 34; 2 gefalt.) Kupfern auf Textbl. und 7 Textkupfern. 25 Bl., 184 (recte 185) S., 15 (statt 18) Bl., 82 S., 8 Bl. Pgt. d. Zt. (fleckig, etw. beschabt und bestoßen). (130)
Schätzpreis: 600,- €
Ergebnis: 300,- €


Erste Ausgabe. – Wimmer/Lauterbach 217. Humpert 3375. Kress 2977. Güntz I, 164. Dochnahl 3. Jeanson 327. – Vgl. Wellcome II, 18 (Ausgabe 1752). – Der deutsche Arzt und Botaniker Georg Andreas Agricola (1672-1738) entdeckte das Verfahren der Wurzelokulation, die das bis dahin ausschließlich propagierte Verfahren der Pfropfung ersetzen sollte. Agricola "wollte aus allen Samen edle Früchte erzeugen, nur Steckholz, Wurzelvermehrung, Senker und besondere Arten des Beschneidens angewendet wissen" (Teichert, Veredelungskunst, 93). Er wurde in Deutschland mißverstanden, verlacht und dann vergessen, dies vermutlich bedingt auch durch seinen Stil, über den Haller in seiner "Bibliotheca botanica" (II, 126) urteilte: "Haec incredibili copia verborum fere suffocat, nonnunquam pene ad nugas descendentium" [Durch diese unglaubliche, manchmal bis zum Unsinn führenden Wortfülle erwürgt er einen fast]. Einer der ersten Kritiker war der Pfarrer zu Lichtenberg im Frankenwald, Friedrich Küffner, der in vier Pamphleten 1716-18 (Wimmer/Lauterbach 220) gegen die Wurzelokulation anschrieb und seine eigene ausgereifte Pfropf-Methode (bis zu 60 Reiser auf einem Stamm) verteidigte. Später fühlten sich sogar die Medizin-Bibliographen berufen, ein botanisches Urteil zu fällen: "Abgesehen von seiner verwerflichen Tendenz enthält das Buch mancherlei gute Beobachtungen über die Behandlung und Vermehrung der Pflanzen" (Hirsch/Hübotter I, 70). Trotz der Kritik am Stil und an der Methode wurde das Werk ein großer Erfolg: 1717 wurde bereits eine zweite deutsche Ausgabe aufgelegt, 1719-24 erschien eine holländische Übersetzung, 1720 eine französische (unter dem irreführenden Titel "L’agriculture parfaite"), und Richard Bradley übersetzte das Buch 1721 ins Englische. "Its 35 plates served as the principal illustrated fruit-tree propagation manual for many decades" (Jeanson 215). – Es fehlen in unserem Exemplar die Tafel 12 und die beiden Blätter mit Kupfern außerhalb der Numerierung zu den Seiten 49 und 58; ferner der Titel des zweiten Teiles und die Erklärung des Frontispizes am Beginn des zweiten Teiles sowie wohl ein Vortitel zum zweiten Teil. – Innengelenk gebrochen, fliegender Vorsatz mit Besitzvermerk und tls. gelöst, das Porträt mit großem Einriß über die Porträtbüste, wenige Textbl. mit kleinem Einriß, etw. fleckig, unterschiedlich gebräunt.