27: NORDHAUSEN – "TAGEBUCH FÜR JACOB GOTTFRIED EMMERT".

Deutsche Handschrift auf Papier. Dat. Nordhausen (Thüringen), 1. 1. 1793 – 6. 4. 1844. 4º. 86 Bl. Hldr. d. Zt. (beschabt). (43)
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Über ein halbes Jahrhundert reichende chronikalische Aufzeichnungen von einer Hand. – Sämtliche Seiten des Bandes sind in zwei Spalten eingeteilt und eng in ordentlicher Kurrentschrift beschrieben; die meist nur knappen Einträge, jeweils mit Tagesdatum versehen, sind immer durch eine Linie sauber getrennt.

Lebensdaten des Schreibers Jacob Gottfried Emmert konnten wir nicht ermitteln. Er legte sein "Tagebuch" wohl als junger Mann an. Über seine eigenen Lebensumstände berichtet er kaum, doch gehörte er wohl dem Handwerkerstand oder dem gehobenen Bürgertum an. Darauf läßt ein Eintrag über eine Reise vom 21. bis 23. Juni 1800 zur Fronleichnamsprozession nach Erfurt schließen. Seine Begleiter waren ein Zimmermann, ein Uhrmacher, ein Kaufmann, ein Brauer, ein Sattler, ein Schuhmacher, ein Seifensieder und ein Gastwirt. – Regelmäßig verzeichnet Emmert Hochzeiten, Geburten und Todesfälle, außerdem die Ergebnisse der Ratswahl, viele kleine stadtgeschichtliche Ereignisse wie Feuersbrünste, Straftaten, Feierlichkeiten oder einen "Aufruhr" der Tuchmachergesellen. Und er protokolliert Ratsbeschlüsse: etwa am 25. Oktober 1794 "wurde in Session der drey Räthe, das Hinaus – und Hereinführen des Schützenkenigs abgeschafft", oder am 1. Januar 1799 "wurde auf Befehl der drey Ratsregimenter das Singen und Gratuliren am Neujahrstage abgeschafft". Ebenso beobachtet Emmert das Wetter oder das Schlagen einer Nachtigall am 19. Januar 1798.

Viele Einträge gelten den Geschehnissen zur Zeit der napoleonischen Kriege: Am 9. Februar 1795 "wurden den Soldaten die Kriegsartikel vorgelesen", am 14. Februar "mußten die Soldaten manövrieren und den 16ten marschierten sie ab an Rhein 75 Mann stark", am 5. August "bekamen die Stadtsoldaten welche von Mainz desertirt waren als Strafe ein jeder 20 Prügel und wurden den 10ten wieder nach Mainz ohne Begleitung geschikt", am 11. Oktober 1796 "bekamen zwey Stadtsoldaten welche von Anfange des Krieges desertirt waren ein jeder 40 Prügel und 1 Jahr Verweisung", am 2. Dezember "kamen die noch übrig gebliebenen 16 Mann Stadtsoldaten nebst dem Hauptmann Meyer zurück".

Bis ins hohe Alter erweist sich der Schreiber als aufmerksamer Chronist. Persönliche Betroffenheit läßt er nur selten durchblicken, etwa wenn er am 28. August 1835 vermerkt: "starb mein alter Freund, der Seiffensieder Wilhelm Deppen alt 67 Jahr", oder bei einem Eintrag am 26. November 1814: "schnitt sich meiner Schwester Sohn Gottfried Eckmann [Lesung unsicher] Unterofficier in der Landwehr zu Halle die Kehle ab … seine Mutter war untröstlich, die Ursach war und blieb unbekannt."

Am Ende einige Blätter entfernt, die letzten beiden Lagen nachträglich eingebunden, einige Blätter gelockert und mit Randläsuren, etw. fleckig. – Einzigartige, überaus reiche Quelle zur Stadtgeschichte des thüringischen Nordhausen.