23: THÜRINGEN – WIRTSCHAFTSBUCH

eines Ackerbau – und Schafzuchtbetriebes. Wohl Markersdorf (Lkr. Greiz), dat. 1814-1880 und 1958 (eine Seite). 86 Bl. (darunter ca. 10 weiße). 4º. Hldr. d. Zt. (Bezug mit kleinen Fehlstellen, beschabt und bestoßen). (40)
Schätzpreis: 500,- €
regelbesteuert 19% MwSt.


Über mehrere Generationen hinweg durchgehend für Aufzeichnungen zu Ackerbau und Schafzucht benutztes Wirtschaftsbuch. – Neben Markersdorf werden auch andere Orte erwähnt, etwa Kiliansroda, Kranichfeld, Lohma, Rittersdorf, Tännich oder Treppendorf.

Ein erschütternder Bericht findet sich am Beginn des Buches: "Dieses Buch ist gekauft nach dem Brande 1814. Am Karfreytage den 9ten April 1814 Abend um 12 Uhr kam Feuer aus bey meinem Nachbar Heinrich Lunthardt da brande ab sein Haus mein Haus Scheune und Ställe Friedrich Treiber sein Haus Scheune und Ställe. Anna Elisabetha Pfodtenhauern und Maria Elisabetha Treibern ihr Haus Scheune und Ställe. Jacob Grau sein Haus halb und ein Stall. Jacob Hofmann sein Haus und Scheune und von Pfarrhause eine Eke. Weil es mir zu genau war da haben wir nichts davon gebracht als Vieh und etwas Kleider." Es folgt eine lange Aufzählung der materiellen Hilfeleistungen, die der Schreiber nicht nur von seinen Töchtern, sondern von vielen Seiten erfahren hat.

Die Einträge über den Ackerbau nehmen für jedes Jahr von 1814 bis 1880 eine Doppelseite ein. Verzeichnet ist jeweils auf einer Seite das Datum des Beginns der Erntearbeiten und die Menge der geernteten Feldfrüchte wie Weizen, Roggen, Hafer, Dinkel, Gemangkorn (vermischtes Getreide), Linsengerste oder Wickengerste (mit Linsen oder Wicken vermischte Gerste), wobei jeweils die Lage der Felder angegeben ist, etwa "aufm berge", "im jern" oder "in markersdorf". Auf der gegenüberliegenden Seite ist angegeben "Was wir getroschen haben". Dabei ist jeweils auch vermerkt, welchen Lohn an Naturalien die Drescher erhielten.

Die Einträge zur Schafzucht in einem anderen Abschnitt des Buches reichen von 1847 bis 1878. Ein älterer, wohl rückblickend angefertigter Eintrag belegt aber den Beginn der Schafzucht schon 1816. – Ferner findet sich ein Eintrag zum Auskauf der Frohn auf der Katsenburg (Lesung unsicher) im Jahr 1842 für die Anspanngüter in Markersdorf und Treppendorf. – Mehrfach sind besondere Wetterereignisse vermerkt. So heißt es 1821: "Dieses Jahr haben wir am 20ten und 21ten Juni sehr starke Reifen gehabt, da war der Rocken was balt geschoßt hatte, ganz verfrorn. Da haben wir aus 10 Schocken 4 Maas getroschen." Ein anderer Eintrag lautet: "Den 19ten Mai 1860 Nachmittag gegen 3 Uhr hatten wir ein starkes Gewitter da war das Korn in Markersdorf alles ganz verhagelt. Und das Wasser war so groß geworden, das es in Krannichfeld einige Häuser fortgenommen hatte." – Das erste und letze Bl. herausgeschnitten, etw. fleckig und gebräunt. – Bewegendes Zeugnis über ländliches Leben im 19. Jahrhundert.