222: WEIZSÄCKER, C. F. VON,

Physiker und Philosoph (1912-2007). Masch. Brief mit e. U. Dat. Göttingen, 27. 3. (19)47. Fol. Eine Seite. – Mit gedrucktem Briefkopf des Kaiser[-]Wilhelm-Instituts für Physik in Göttingen. (21)
Schätzpreis: 150,- €
Ergebnis: 260,- €


Rilke und die Relativitätstheorie. – An den Philologen Ernst Zinn (1910-1990), der 1947 an mehreren Publikationen über Rilke arbeitete und Weizsäcker diesbezüglich angeschrieben hatte. Zinn hatte ihm ein Gedicht Rilkes geschickt, in dem die Zeit thematisiert wird (vielleicht "Der Dichter") und ihn diesbezüglich um eine Antwort gebeten: "Ein Fragenkomplex, der mit dem Problem der Zeit zusammenhängt, ist derjenige der Geschichtlichkeit der Natur. Darüber habe ich vergangenen Sommer eine Vorlesung gehalten, deren Niederschrift ich Ihnen zusende. In der Atomphysik ist der Begriff der Zeit nicht in den Mittelpunkt der Debatte gerückt. Dort handelt es sich mehr um die Bezogenheit aller Naturphänomene auf einen Beobachter. Die Tatsache, daß dieser Beobachter in der Zeit lebt, scheint mir zwar wichtig, aber Sie werden in der atomphysikalischen Literatur diesen Punkt nicht ausführlich erörtert finden. In der speziellen Relativitätstheorie ist etwas geschehen, was man vielleicht als eine Objektivierung der physikalischen Zeit durch eine abstrakte Vereinigung mit dem Raum zu einer vierdimensionalen Gesamtheit bezeichnen könnte. Es würde Ihnen sicher schwer fallen, sich in diese Dinge so gründlich einzuarbeiten, daß Sie über die Schlagworte, die man da zunächst kennt, hinaus den grundsätzlichen Gehalt klar erfassen könnten, zumal da die philosophische Verarbeitung der neuen physikalischen Erkenntnisse nicht abgeschlossen ist." – Etw. gebräunt.