214: THIERSCH, F. W., Philologe (1784-1860).

E. Brief mit U. Dat. München, 15. 6. 1831. 21,5 x 12,8 cm. 6 S. – Zwei Doppelbl., rückseit. e. adressiert, gesiegelt. (21)
Schätzpreis: 300,- €
Ergebnis: 180,- €


Sehr ausführliches Schreiben an den Philologen Adam Karl Philipp Zell (1793-1873) in Karlsruhe. Zell ist von 1831-35 Vertreter der Universität Freiburg in der Ersten Kammer der Badischen Ständeversammlung in Karlsruhe gewesen; zuvor hatte er 1830 in Freiburg das Philologische Seminar gegründet, dessen Zweck in erster Linie die Lehrerausbildung gewesen ist. Ausgehend von einem Zeitungsbericht über einen Antrag Zells zur Verbesserung der Ausbildung der Unterlehrer, legt Thiersch hier seine Auffassungen zur Reform der Lehrerausbildung und der Gymnasialbildung dar. – Thiersch, den man als "Praeceptor Bavariae" und als "Vater der humanistischen Bildung" in Bayern bezeichnet hat, wirkte seit 1809 in München. Im Jahre 1812 gründete er hier das Philologische Institut und wurde 1825 mit der Umgestaltung des höheren Bildungswesens beauftragt. Er erstellte 1829 einen Lehrplan, der den Unterricht an den Gymnasien fast vollständig auf das Erlernen der alten Sprachen reduzierte. In dem vorliegenden Brief legt er Beweggründe und Absichten seiner Bildungsreformen dar, insofern ist das Schreiben von nicht zu unterschätzender Bedeutung für die Geschichte des Bildungs- und Schulwesens in Bayern zur Zeit König Ludwigs I. – Deckblatt mit Siegelausriß; leicht gebräunt und gering fleckig.