2055: LANGENSALZA –

"Erinnerungsblatt an die Schlacht b. Langensalza am 27. Juni 1866." Deutsche Handschrift auf Papier. Ein Bl. mit großer mont. aquarellierter Zeichnung. Dat. Langensalza, 27. 6. 1866 ("Aufgenommen am Tage der Schlacht ... Nachmittags gegen 1/2 2 Uhr zur Zeit des heftigsten Ringens"). Ca. 31,5 x 43,5 cm, die Zeichnung 24,2 x 37,2 cm. – Alt unter Glas gerahmt. (97)
Schätzpreis: 500,- €
Ergebnis: 360,- €

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Ein außergewöhnliches, in dieser Form unikales Augenzeugendokument einer bedeutenden Schlacht zu Beginn des Deutschen Krieges, in der sich Preußen mit den Verbündeten Sachsen-Coburg und Gotha und das Königreich Hannover gegenüberstanden. Während am 27. Juni die Truppen Hannovers die Oberhand behielten, führte der preußische Gegenangriff am Folgetag zur Umstellung der hannoverschen Truppen und zur Kapitulation des Königreichs. Die Armee wurde entwaffnet, am 20. September 1866 Hannover annektiert.

In der vorliegenden Zeichnung mit handschriftlich eingetragenen Bezeichnungen der Orte und Truppenformationen sind Beobachtungen dokumentiert, die aus schätzungsweise ein bis fünf Kilometern Entfernung von der Straße gemacht wurden, die von Langensalza nach Illeben führt (die heutige Landstraße 2125). Von hier aus hatte der Beobachter eine erhöhte panoramaartige Sicht über die Gegend zwischen Langensalza und Merxleben, wo die Schlacht im wesentlichen stattgefunden hat. Die am weitesten vorne eingezeichnete Gemarkung ist die Straße nach Tonna (die heutige B 176), über die der Angriff der hannoverschen Kavallerieregimenter der Husaren erfolgte, die vor Langensalza auf preußische Verbände trafen. Dahinter sind Merxleben und die Auen der Unstrut zu erkennen, mit Einzeichnung der hannoverschen Truppen rund um Merxleben, während die Preußen von Langensalza her anrückten. Durch die genauen Zeit – und Ortsangaben bildet die Zeichnung eine sehr exakte Momentaufnahme dieses wichtigen Zeitpunkts der Schlacht ab. Zusätzlich ist am unteren Rand des Blattes auf dem Trägerpapier eine kurze Angabe zum weiteren Verlauf notiert: "Beim Rückzug der preußisch-gothaischen Heeresabteilung spielten sich etwa eine Stund später hier am Platze der Aufnahme und weiter nach Illeben zu heftige und erbitterte Attacken, zwischen der nachfolgenden hannöverschen Cavallerie und den den Rückzug deckenden Carrés preußischer Infanterie ab."

Laut Einliefererinformation stammt das Blatt von Heinrich Pabst (1834-1908), einem Bildhauer, Maler und Lithographen, der in Engelsbach bei Gotha lebte. In der privaten Familienchronik, erstellt von Pabsts Enkelin, heißt es: "Von meinem Großvater existiert die einzige Aufzeichnung der Schlacht von Langensalza … In diese Schlacht war mein Großvater sozusagen als ‘Passant’ geraten, holte seinen Zeichenstift hervor und machte von diesem Ereignis eine Skizze, die er wohl später sogar koloriert hat. Aufgrund dieser Skizze meinten die Soldaten, die ihn festnahmen, er wäre ein Spion und sollte deshalb erschossen werden. Er muss seinen ‘Verhaftern’ aber so glaubwürdig dargestellt haben, dass er nur an der Freude am Zeichnen die Skizze gemacht habe, dass sie ihn wieder laufen liessen." – Die Zeichnung mit mehreren Falten und Falzen, Zeichnung und Träger mit je einem Einriß am rechten Rand, zus. alt auf Karton aufgezogen, etw. gebräunt und fleckig.

An exceptional, unique eyewitness document of this important battle at the beginning of the German War where Prussia with its allies Saxe-Coburg-Gotha and the Kingdom of Hanover faced each other. While the troops of Hanover were victorious on 27th June, the Prussian counter-attack the following day led to the circling of the Hanover troops and to the capitulation of the Kingdom. The army was disarmed and Hanover was annexed on 20th September 1866. – The drawing with several creases and folds, drawing and supporting paper with tear at right margin, together mounted on cardboard in former times, a little browned and soiled. – Framed under glass in former times.