193: RILKE – Ca. zwölf Schreiben und Unterlagen aus der Korrespondenz von Ernst Zinn über Rilke.

Mit einem Brieffragment von Clara Rilke, einer Postkarte der Fürstin Maria von Thurn und Taxis, mehreren Schreiben von Helmuth Westhoff, Rilkes Schwager, und je einem Brief von E. Grassi und J. Gebser. Tls. e., tls. masch., alle mit e. U. Ca. 1910/20-66. Verschied. Formate. Umschläge meist beiliegend. (21)
Schätzpreis: 150,- €
Ergebnis: 120,- €


Aus der umfangreichen Korrespondenz des Philologen und Rilkeforschers Ernst Zinn (1910-1990), der zu zahlreichen bedeutenden Persönlichkeiten und zu Rilkes Familienkreis Austausch im Zusammenhang mit seinen Rilkestudien geführt hat. Zinns Familie stand bereits in den 1930er Jahren mit Rilkes Frau Clara (1878-1954) in Kontakt. Erhalten hat sich von dieser Korrespondenz nur die zweite Seite eines eigenhändigen Briefs von Clara mit ihrer Unterschrift, der laut Beschriftung eines späteren Umschlags von Clara Rilke anläßlich der Hochzeit von Wolfgang Schöne im Oktober 1939 an die Familie Schöne/Zinn geschickt worden ist.

Der Philosoph Jean Gebser (1905-1973) schrieb im Januar 1950 an Zinn, das in seinem Besitz befindliche Rilke-Material (ca. 4000 Nummern) sei leider nur zum Teil bibliographisch erfaßt (eine Seite, maschinenschriftlich mit Umschlag). Ein weiterer halbseitiger maschinenschriftlicher Brief von Gebser mit Terminvorschlägen für ein Treffen vom Folgemonat. Ebenfalls vom Februar 1950 datiert ein maschinenschriftliches Schreiben des großen existentialistischen Philosophen Ernesto Grassi (1902-1991). Grassi bedauert, Zinn keine weitere Auskunft über ein Rilke-Manuskript geben zu können. Zinn war offensichtlich auf der Suche nach weiterem Material zu Rilkes "Duineser Elegien". Grassi bedauert, nichts über den Verbleib der Originale zu wissen: "Damals in Venedig erfuhr ich, dass die Fürstin Marie v. Thurn und Taxis eine Unmenge Material in Kisten von Duino noch gerettet hatte, worunter sehr wichtige Kommentare zu den Duinser Elegien, ebenso die Testamente von Rilke." Sie habe damals allerdings einen "sehr unangenehmen Sekretär" gehabt, der vermutlich einiges unter der Hand verkauft habe. Eine undatierte Postkarte der Maria von Thurn und Taxis (1855-1934), für die Rilke die Elegien verfaßt hatte, ist hier ebenso vorhanden. Sie dürfte aus der Zeit um 1910/20 stammen. Die Bildseite zeigt ihr Schloß im böhmischen Lautschin. Die an einen nicht genannten Adressaten gerichteten Grüße von ihrer Hand könnten an Rilke gerichtet gewesen sein. Außerdem ein Briefumschlag, der sieben Postkarten mit Ansichten aus Duino enthält, gerichtet an einen Signor Giuseppe Grudeni in Triest und datiert laut Poststempel 1938, weiterhin ein Stahlstich mit der Ansicht von Duino, das Passepartout mit Zinns Besitzvermerk aus dem Jahr 1955 (auf lateinisch).

Aus der späteren Korrespondenz Zinns mit befreundeten Angehörigen der Familie Rilkes sind mehrere Postkarten und Briefe des Jahres 1966 vorhanden: Ein zweiseitiger eigenhändiger Brief und eine zweiseitige Postkarte von dem Maler Helmuth Westhoff (1891-1977), dem Bruder von Rilkes Frau Clara Westhoff, sowie eine Postkarte an Burkart Zinn, den Sohn von Ernst, datiert 1966 (hier kleine Photographie beiliegend), sowie von Westhoffs Lebenspartner, dem Architekten, Tänzer und Maler Hellmut Müller-Celle (1903-1982), ein dreiseitiger eigenhändiger Brief an Ernst Zinn und ein weiterer an Burkart Zinn (diesem Schreiben liegen zwei kleine Aquarelle von Müller-Celle bei). – Leichte Gebrauchsspuren.