18: SCHERTEL VON BURTENBACH – VOLZ – ABSCHRIFT

der Lebensbeschreibung des Sebastian Schertlin von Burtenbach (1496-1577). Deutsche Handschrift auf Papier. Wohl Stuttgart, dat. "Jan. 1780". 4º. Bl. 2-205 (von alter Hand numeriert); 7 Bl. später vorgebunden (davon 6 weiß). Hlwd. 2. Hälfte 19. Jhdt. mit Rtit. (geringe Altersspuren). (14)
Schätzpreis: 600,- €
regelbesteuert 19% MwSt.
Ergebnis: 360,- €


Der Landsknechtführer Schertlin (auch Schärtlin oder Schertel) zu Burtenbach, der vielen Herren diente und auch seine Konfession wechselte, gehört zu den schillerndsten Persönlichkeiten der Reformationszeit. Unser Manuskript liefert einen weiteren Beleg für das große lokalhistorische Interesse am Leben des aus Württemberg stammenden Feldherrn im 18. Jahrhundert.

Der Band befand sich, wie das Exlibris (mit der Inventar-Nr. 820) bezeugt, ehemals in der Bibliothek des Freiherrn Gustav Adolf von Liebenstein (1853-1913) in Jebenhausen. Der Vermerk auf dem ersten (vorgebundenen) Blatt "Wortgetreue Abschrift des Diarii manuscripti des Sebastian Schertel von Burtenbach nebst einigen auf denselben Bezug habenden Dokumenten" stammt wohl wie der Einband aus der Zeit der Bindung für diese Bibliothek. Wohl ebenfalls in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde in Bleistift die Annahme ergänzt "(das Original soll nicht mehr vorhanden sein)", die sich jedoch als irrig erweist.

Denn bei unserem Band handelt sich wohl um eine Abschrift eines Manuskriptes aus der Hand des Historikers Johann Christian Volz (1721-1783), Professor und ab 1774 Rektor des Gymnasiums in Stuttgart. Sein Name ist am Beginn einer Reihe von Quellenabschriften (fol. 5-14) genannt, die Daten zur Familie und Herkunft des berühmten Landsknechtes beitragen: "Aus der Herzogl. obern Registratur zu Stuttgardt Fascl. 1701 hier nach dem Original abgeschrieben, von J. C. Volz Prof. St." Laut Schlußvermerk (fol. 205) wurde unsere Handschrift, das in gleichmäßiger Kurrentschrift geschrieben und am Rand gelegentlich mit zusammenfassenden Marginalien versehen ist, "decopirt den Monat Jan(uar) 1780". Das Manuskript von Volz (heute Württembergische Landesbibliothek, Cod. Hist. 2º 286; beschrieben bei Heyd, S. 136) sollte wohl der Vorbereitung einer Edition der Lebensbeschreibung des Schertel von Burtenbach dienen. Seine Hauptquelle war ein Manuskript aus dem 16. Jahrhundert mit der eigenhändigen Autobiographie des Landsknechtes, das der württembergischen Geheime Rat und Regierungspräsident Eberhard Friedrich von Gemmingen (1726-1791) der Königlichen Bibliothek 1776 geschenkt hatte, auf vorgebundenen Blättern mit einer eigenen Beschreibung und durch Abschriften von Urkunden aus der herzoglichen "obern Registratur" ergänzt (heute Württembergische Landesbibliothek, Cod. Hist. 2º 10; beschrieben bei Heyd, S. 8-9; nach diesem Codex gab Schönhuth die Autobiographie "urkundlichtreu" heraus). Ferner benutzte Volz eine Handschrift aus der Bibliothek des Geheimen Rates Karl Heinrich Frommann (1736-1815; heute Württembergische Landesbibliothek, Cod. Hist. 2º 337; beschrieben bei Heyd, S. 159). Der Beschreibung des Cod. Hist. 2º 286 von Heyd ist zu entnehmen, daß Volz die Urkunden, die von Gemmingen beigetragen hatte, erneut nach den Originalen kollationierte, so wie es auch der oben zitierte Vermerk bei den Urkundenabschriften in unserem Manuskript angibt.

Literatur:

Leben und Thaten des weiland wohledlen und gestrengen Herrn Sebastian Schertlin von Burtenbach durch ihn selbst beschrieben. Nach der eigenen Handschrift des Ritters urkundlichtreu hrsg. von Ottmar F. H. Schönhuth, Münster, Aschendorff, 1858.

Wilhelm von Heyd, Die historischen Handschriften der Koeniglichen Oeffentlichen Bibliothek zu Stuttgart. Bd. 1: Die Handschriften in Folio. Stuttgart, Kohlhammer, 1889-90.

Für freundliche Auskünfte danken wir Frau Prof. Dr. Maria Magdalena Rückert, Staatsarchiv Ludwigsburg, und Frau Gabriele Löffler, Hauptstaatsarchiv Stuttgart. Den entscheidenden Hinweis verdanken wir Frau Helga Engster-Möck, Württembergische Landesbibliothek.