178: VOSS – 20. JULI 1944 – TEILNACHLASS

des Vizeadmirals der deutschen Marine, Hans Erich Voss (1897-1969). Elf Schreiben an Voss, alle von ranghohen Angehörigen der deutschen Wehrmacht, mit Genesungswünschen und Grußadressen nach dem Attentat vom 20. Juli 1944. 9 masch. Briefe mit e. U., eine e. Postkarte mit U. und ein Telegramm. Dat. 20. 7. – 7. 8. 1944. Verschied. Formate. Zus. ca. 9 1/2 Seiten. (1)
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Hans Erich Voss gehört zu den Überlebenden des Attentats vom 20. Juli 1944. In dieser Zeit hatte er den Rang eines Konteradmirals. Seit März 1943 war Voss als ständiger Vertreter des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine in das Führerhauptquartier versetzt worden und nahm daher auch am 20. Juli 1944 an der Lagebesprechung in der Wolfsschanze teil. Noch am Tag des Attentats, das Voss mit nur leichten Verletzungen überstanden hatte, wurden an ihn die ersten Schreiben befreundeter und bekannter Militärs abgesandt. – In chronologischer Folge:

I. Der Obergruppenführer des NSKK (Nationalsozialistisches Kraftfahrkorps) Günther Pröhl (1895-1977) mit einer signierten Porträtpostkarte (Hoffmann, München), datiert Hamburg, 20. 7. 1944. – II. Ein Brief des Admirals Wilhelm Prentzel (1878-1945), Chef des Allgemeinen Marineamtes im Reichswehrministerium, datiert 21. Juli 1944, auf Papier mit gedrucktem Briefkopf mit Adresse (Berlin-Zehlendorf, Klein-Machnow), gerichtet an Voss unter der Adresse Berlin, Tirpitz Ufer 72/76 (Oberkommando der Kriegsmarine): "Meine Glückwünsche zu dem guten Ablauf des feigen Verbrechens, das dem Führer das Leben kosten sollte, aber von der Vorsehung anders geleitet wurde …" – III. Der Stabschef der SA, Wilhelm Schepmann (1894-1970), mit einem Brief auf Papier des Stabchefs der SA mit blindgeprägtem Siegel (Bütten mit großem Wasserzeichen eines antiken Kopfes im Profil), datiert Berlin, 21. 7. 1944, Voßstraße 2, adressiert an "Herrn Admiral Voß Führerhauptquartier". Spricht von einem "feigen Mordanschlag auf den Führer". – Doppelblatt. – IV. Der Leiter der Protokollabteilung des Auswärtigen Amtes, Alexander von Dörnberg (1901-1983), mit einem Schreiben aus dem "Sonderzug" (gemeint ist der Zug "Westfalen", ein Sonderzug des Auswärtigen Amtes unter Joachim von Ribbentrop), datiert 21. 7. 1944, auf Briefpapier des Protokollchefs des Auswärtigen Amtes. – Doppelblatt. – Umschreibt das Attentat als "scheussliche Geschichte". – V. Ein Telegramm von Hans Friedrich Blunck (1888-1961), NS-Kulturpolitiker und Schriftsteller, und dessen Ehefrau. Datiert Greben, 21. 7. 1944, an die Mutter von Voss, Hedwig, in Berlin-Lichterfelde. – VI. Ein etwas längerer Brief (ca. eine engbeschriebene Seite in Folio) mit eigenhändiger Unterschrift des Generalmajors der Luftwaffe, Herbert Sonnenburg, der mit Voss wohl seit langem befreundet war. Dieses am 22. 7. 1944 datierte Schreiben hat Sonnenburg wohl aus Bukarest geschickt, wo er stationiert war. Enthält mehrere biographisch interessante, in offenem Ton geschilderte Passagen, auch zur Situation in Rumänien ("… habe auch bislang die wenigen Schrecken des Krieges hier in Rumänien glücklich überstanden. Nur einmal fuhr ich aus eigener Dummheit mitten in ein Bombardement in Câmina hinein, aber es ist alles gut vorübergegangen …") Sonnenburg war der ehemalige Leiter der Luftkriegsschule Fürstenfeldbruck, LKS 4. – VII. Ein Brief des Chefs der Seekriegsleitung, Admiral Wilhelm Meisel (1893-1974); verurteilt den 20. Juli als ein "ungeheuerliches Attentat auf den Führer" (auf Briefpapier mit gedrucktem Kopf "Chef der Seekriegsleitung", ohne Ort, 23. Juli 1944). – VIII. Konteradmiral Günter Schubert (1898-1974), Chef der Marineorganisationsabteilung, schrieb am 24. Juli aus Berlin: "Daß von dem ruchlosen Attentat der Führer selbst nicht getroffen wurde, erfüllt uns alle mit tiefer Dankbarkeit." – IX. Der Chef des Stabes "Kommandierender Admiral der Niederlande", Gustav Freiherr von Liebenstein (1891-1967), nahm ausführlicher zum Attentat Stellung: "Der ganze Vorgang ist so gemein und unsoldatisch, daß man seiner Abscheu nicht genug Ausdruck verleihen kann. Das einheitliche Echo und der rasche Übergang zur Tagesordnung haben wohl am besten gezeigt, wie einheitlich und mit welchem Vertrauen das Volk hinter dem Führer steht", und fährt fort mit einer militärischen Lagebeurteilung: "Sonst sind die vielen Rückschläge an den Fronten nicht schön; hervorragend aber, wie man sich im Westen schlägt, wo der Gegner doch manche Enttäuschung hinnehmen muß. Ich bewundere den Führer, der es manchmal wirklich nicht leicht hat." Auf Papier mit Briefkopf "Admiral in den Niederlanden", "St. Qu." (= Stabsquartier, wohl Utrecht), 25. 7. 1944. – X. Admiral Theodor Krancke (1893-1973), Oberbefehlshaber der Marine West, gratuliert Voss bereits am 30. Juli aus dem Führerhauptquartier zur Beförderung zum Vizeadmiral, die erst am Tag darauf, dem 1. August, erfolgt ist. – XI. Interessant auch das späteste der Schreiben vom 7. August 1944, verfaßt von Admiral Friedrich Wilhelm Fleischer (1890-1952), Oberwerftdirektor der Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven. Fleischer schreibt von einem "verbrecherischen Anschlag, der uns allen ewig unverständlich bleiben wird … Wir preisen alle das Wunder, das den Führer fast unverletzt erhalten und uns vor dem Chaos bewahrt hat". Gratuliert zur Beförderung und läßt auch Jodl und "Puma" (d. i. von Putkamer) grüßen, von denen er vermutet, daß sie im selben Lazarett wie Voss lägen. – Minimale Gebrauchsspuren.