176: LUDWIG II., König von Bayern (1845-1886).

Brief mit e. U. Dat. München, 10. 5. 1874. Fol. 3/4 Seite. (33)
Schätzpreis: 800,- €
Ergebnis: 400,- €


An den Fürsten Heinrich XXII. von Reuß zu Greiz (1846-1902) mit der Bekanntgabe der Hochzeit seines "vielgeliebten Vetters", des Herzogs Carl Theodor in Bayern, mit der Infantin von Portugal, Maria José von Bragança; die Hochzeit hatte am 29. April 1874 in Kleinheubach stattgefunden. – Besonders interessant ist hier, daß die Reaktion Heinrichs auf das Schreiben ebenfalls dokumentiert ist, zum einen durch den anliegenden, anderthalb Seiten umfassenden und wohl eigenhändigen Entwurf zum Antwortschreiben, datiert Greiz, 20. 8. 1874, mit der Unterschrift Heinrichs XXII., zum anderen durch einen siebenzeiligen Vermerk des Fürsten von eigener Hand und mit Unterschrift, in Bleistift direkt neben die Unterschrift des Königs plaziert. Hierin bezieht sich Heinrich auf die problematische Titulierung des Brautvaters Michael I. von Portugal (1802-1866), der als König des Landes 1834 abdanken und ins Exil gehen mußte. Er lebte zuletzt in Unterfranken bei Großheubach, wo er auch verstorben ist, ohne je auf den Thron von Portugal verzichtet zu haben. Deshalb gibt Heinrich seiner Kanzlei vor: "Die eingeklammerten Worte sind in der Beantwortung wegzulassen, weil der legitime Herrscher Portugals in meinen Augen nicht ‚Prinz‘ sondern ‚König‘ war u. ich meine legitimistische Auffassung nicht verleugnen will". Im Schreiben Königs Ludwigs war vom "Prinzen Don Miguel" die Rede, dieser Nebensatz ist tatsächlich in Bleistift eingeklammert worden. Heinrich XXII., der seit 1867 das Fürstentum Greiz regierte, zeigt sich hier in seiner ultrakonservativen Position, für die er in der Politik des Deutschen Reichs berühmt und berüchtigt war, weil er erheblichen Widerstand gegen Reformen leistete, was ihm den Spitznamen "Heinrich der Unartige" eingetragen hatte. – Rückseite des ursprünglichen Doppelblatts abgetrennt, gering gebräunt.