1717: ZWEITER WELTKRIEG – RUSSLANDFELDZUG – "DER DURCHBRUCH DER 1. GEBIRGSDIVISION durch die Stalin-Linie

und Kämpfe zur Einschliessung des Feindes bei Winniza." Typoskript-Durchschlag. O. O. und Dat. (wohl 20. Juli 1941). Fol. 20 nn., 2 num. Bl., einseitig beschrieben. Lose Bl., ohne Einband. (112)
Schätzpreis: 400,- €
Ergebnis: 200,- €


Ein unveröffentlichter und unseres Wissens unbekannt gebliebener Bericht über einen der – trotz großer eigener Verluste – wichtigsten militärischen Erfolge der deutschen Wehrmacht im Rußlandfeldzug: das Durchbrechen der "Stalin-Linie" und den anschließenden Sieg in der Kesselschlacht von Winniza (russisch Winnyzja) Ende Juli und Anfang August 1941. – Der vorliegende Bericht bricht jedoch mit den Ereignissen vom 20. Juli 1941 ab, die militärischen Operationen sind zu diesem Zeitpunkt noch in vollem Gange, der Belagerungsring um die Stadt ist noch nicht geschlossen, und das Fazit des unbekannten Verfassers fällt keineswegs positiv aus. Die Abfassung kann somit nur während des Kriegsgeschehens ganz zeitnah erfolgt sein, als der Ausgang noch nicht absehbar war. An diesen Kriegshandlungen hatte die erste Gebirgsdivision erheblichen Anteil. Der Bericht dürfte von einem Angehörigen der Division erstellt worden sein und konzentriert sich auf deren Aktivität.

Die "Stalin-Linie" ist ab 1929 an den Westgrenzen der Sowjetunion als erheblich befestigter Verteidigungswall mit bewaffneten Betonbunkern errichtet worden und erstreckte sich über die komplette Westgrenze. Nach der Besetzung Ostpolens 1939 sowie Bessarabiens und der baltischen Staaten 1940 durch die Sowjetunion verschob sich die Grenze um etwa 300 Kilometer nach Westen. Stalin befahl daher, die "Molotow-Linie" zu errichten und die Stalin-Linie aufzugeben. Sie wurde jedoch weder entwaffnet noch abgetragen, weshalb ihre Überwindung der deutschen Wehrmacht erhebliche Probleme bereitete. Die erste Gebirgsdivision war Mitte Juli 1941 im Verband des XXXXIX. Gebirgs-Korps bis zur Stalin-Linie gekommen. Der Angriff startete am 15. Juli, am 18. wurde Winniza erreicht, eingekesselt und in der Folgezeit erobert.

Der Bericht enthält die Darlegung der Strategie und detaillierte Beschreibungen und Analysen des Angriffsverlaufs, der zumindest anfänglich "vollkommen planmässig wie ein Uhrwerk" ablief. Vor allem die Artillerie trug hier zum Gelingen bei, da sie die russischen Verteidigungsanlagen systematisch zerstörte und so den Durchbruch ermöglichte. In der Folge entbrannte der Kampf um die Stadt Galusinzy, der mit der Einnahme am 16. 7. endete. Am 17. und 18. Juli rückte die Vorausabteilung unter Oberstleutnant Lang weiter gegen die Stadt Winniza vor, die aber – und so schließt der Bericht – am 20. Juli noch nicht eingekesselt werden konnte, da "trotz dieser Anstrengungen der Ring durch das Ausbleiben der Nördl. im Vorgehen angenommenen Division nicht geschlossen wurde, während die aufs Äusserste angespannte Lage der Div. ihr nicht erlaubte, ihrerseits zur Vernichtung des Gegners noch über das ihr befohlene Ziel hinauszustossen." Dies gelang erst wenig später. Die Stadt wurde eingenommen und ist zum Schauplatz schwerer Kriegsverbrechen geworden. Am Ende des Berichts eine zweiseitige Aufstellung über Kriegsbeute, Gefangene sowie Verluste der eigenen und der feindlichen Verbände.

Exemplar für den zweiten Generalstabsoffizier der ersten Gebirgsdivision, den Hauptmann Ludwig Karl von Eimannsberger (1910-1951), dessen Name in Bleistift am Kopf der ersten Seite vermerkt ist. – Der Bericht wird von Hermann Frank Meyer in seiner Standard-Publikation über die erste Gebirgsdivision (Blutiges Edelweiß. Die 1. Gebirgs-Division im Zweiten Weltkrieg, 2. Auflage, Berlin 2008) nicht erwähnt. – Stellenw. leichte Randläsuren, gering gebräunt. – Aus dem Besitz der Familie von Eimannsberger.