17: PACHELBEL UND KRIEGER – MUSIKMANUSKRIPT

mit Klavierkompositionen von Pachelbel und Krieger sowie unbekannten Stücken. Wohl Franken, frühes 18. Jahrhundert. Qu.-8º (15,2 x 19,5 cm). 18 nn. Bl. (und 20 Bl. mit hs. Aufzeichnungen von Liedertexten). Stärker läd. Hpgt. unter Verwendung einer alten Manuskript-Hs. als Rücken. (3)
Schätzpreis: 1.200,- €
Ergebnis: 2.600,- €


Das Notizbuch eines Komponisten oder ausführenden Musikers (Organisten oder Cembalisten) enthält in recht sauberer, gleichmäßiger Notenhandschrift Klavierkompositionen, darunter mehrere Abschriften von Werken Johann Pachelbels und Johann Kriegers, aber auch Stücke, die wir nicht nachweisen und keinem Autor zuordnen können, alle im Stil der deutschen Klaviermusik um 1700, die meisten als Chaconne oder Ciaccona bezeichnet (in verschiedenen Schreibungen):

1.) Unbenanntes Klavierstück in F-Dur, 3/2-Takt, am unteren Rand der vierten Seite der Vermerk "Partita 4." (5 Seiten).

2.) "Chaconna ex C". C-Dur, 3/4-Takt (4 Seiten), der Komponist für uns nicht erschließbar.

3.) "Ciaccona ex C di Bachhelbel." C-Dur, 4/4 – und 12/8-Takt. – Die Ciaccona in C-Dur von Johann Pachelbel, P. 38, eigentlich mit 25 Variationen, hier nur die ersten zehn (gezählt neun, da die erste als das Thema hier nicht mitgezählt ist). Gegenüber der endgültigen Fassung fallen mehrere Abweichungen auf, darunter die Notierung der zehnten (neunten) Variation im 12/8-Takt, was eine Notation in nur vier Takten, statt in acht im 6/8-Takt, zur Folge hat; damit bricht das Stück ab (4 Seiten).

4.) "Ciacona ex A. b." A-Moll, 3/4-Takt. Komponist für uns nicht erschließbar (6 1/3 Seiten).

5.) "Ciacona ex G #". G-Dur, 3/4-Takt. Komponist für uns nicht erschließbar (4 2/3 Seiten).

6.) "Ciacona ex C." C-Moll, 3/4-Takt. Komponist für uns nicht erschließbar (3 1/3 Seiten).

7.) "D b. Partita di Giovanni Krygher. Allemande" und "Fuga". – Die zweite Partita in d-Moll aus den "Sechs Musicalischen Partien", veröffentlicht 1697 in Nürnberg, von Johann Krieger (5 Seiten).

8.) "Ciaccona ex G di Bahebb:" G-Dur, 4/4-Takt (3 2/3 Seiten). – Eine Ciaccona in G-Dur mit vier Variationen, nach der Betitelung ein Werk Johann Pachelbels. Von uns ist dieses Stück trotz intensiver Recherche nicht als Werk Pachelbels nachweisbar. Im Charakter entspricht es durchaus den überlieferten Werken Pachelbels aus dieser Gattung. Es ist natürlich möglich, daß das Stück vom Schreiber versehentlich für eine Komposition Pachelbels gehalten worden ist; möglich ist auch, daß es sich um ein ihm bewußt untergeschobenes Werk handelt. Die Annahme, hier ein bislang unbekanntes Stück Pachelbels vorliegen zu haben, ist ebensowenig auszuschließen, besitzt sogar einige Wahrscheinlichkeit, doch dies alles zu klären muß der Forschung überlassen bleiben.

Das Büchlein trägt den Besitzvermerk einer "Anna Margaretha Satlerin" aus "Maynstockheim" (Mainstockheim). Es wurde offenbar in späteren Generationen, vielleicht bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts, für Aufzeichnungen von Liedtexten aus dem fränkischen Raum weiterverwendet und ist von daher auch für die Volkskunde und Volksmusikforschung von einiger Bedeutung. Auf der Rückseite des letzten Notenblattes der Anfang der ersten Strophe des Liedes "Der verliebte Bauer" ("Rühmet mir des Schultzens Tochter" mit der Variante, daß in der vierten Zeile der Name "Hanne" gegen "Berbel" ausgetauscht wurde). Die folgenden ca. 40 Seiten mit vielen teils kaum mehr bekannten oder gar nicht nachweisbaren Texten von Liedern, von mehreren Händen abgefaßt, so z. B. ein "Abschiedslied eines Mannes an sein Weib" und "Die lustige Bauernkerwa zu Katzbach". Merkwürdig ist insbesondere ein Eintrag, wo zwischen einigen unleserlichen Zeilen der Name "J. A. Schon Röm. Kayserlich Konigl: consul in Altona bey Hamburg" erscheint; gemeint ist vielleicht der Liederdichter Johann Adam Schön (1675-1730), eigentlich ein Diakon in Görlitz, dessen Nachfahre, wohl sein Enkel, ab 1771 Rechtskonsulent in Hamburg gewesen ist. Auf dem hinteren Innendeckel das Fragment eines Briefes.

Am Anfang und am Ende mehrere Bl. entfernt (Ausrißspuren), durchgehend fleckig und gebräunt, einige Gebrauchsspuren.