17: FUGGER – "CHRONICA DES GANTZEN FUGGERISCHEN GESCHLECHTS".

Deutsche Handschrift auf Papier. Schwaben, Anfang 18. Jhdt. 48,2 x 36 cm. Mit 3 großen gouachierten Wappen und kleinem Wappen in lavierter Tusche, jeweils im Text, sowie kalligraphiertem Titel und kalligraphierten Überschriften; jede Seite gerahmt. 120 S., 2 Bl. (Register). Restauriertes Ldr. d. Zt. mit Supralibros von Josef Anton Eusebius von der Halden auf beiden Deckeln. (21)
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Repräsentative großformatige Abschrift der Chronik des Geschlechtes der Fugger, prächtig ausgestattet mit den großen eingemalten Wappen der Fugger vom Reh (S. 7), der Fugger von der Lilie (S. 28) und der Fugger von Kirchberg und Weißenhorn (S. 47) sowie am Ende, etwas kleiner in lavierter Federzeichnung, dem ab 1407 von dem Weber Hans Fugger geführte Wappen.

Im Auftrag von Hans Jakob Fugger (1516-1575) erstellte Clemens Jäger (um 1500-1561) die erste Fassung der Fuggerchronik, nachdem er zuvor schon das sogenannte "Ehrenbuch" der Fugger verfaßt hatte. Die Chronik ist in vielen Handschriften überliefert, doch sind diese nur in wenigen Fällen mit Wappenminiaturen illustriert (eine erste Übersicht zu den bekannten Exemplaren gab N. Lieb, Die Fugger und die Kunst, Bd. I, München 1952, S. 299/300; zum neueren Forschungsstand siehe A. Kagerer, Macht und Medien um 1500, Berlin und Boston 2017, S. 305-309; Ch. Meyer, Chronik der Familie Fugger vom Jahre 1599, München 1902, gibt den Text vollständig, jedoch nur nach dem Cod. germ. 2277 in der Bayerischen Staatsbibliothek wieder; eine wissenschaftliche Edition fehlt bis heute.)

Der vollständige Titel unserer Handschrift lautet: "Chronica des Gantzen Fuggerischen Geschlechts, darinnen nach längs gesehen würdt, wie die Herren Fugger in die Statt Augspurg eingetretten, was für Handtierung, und Gewerb sie getrieben, wan, wie, undt wo sie ligendte Gütter, inn undt ausserhalb der Statt. Item Ihren Adel undt andere Kays(erliche) Freyheiten an sich gebracht, in Summa von Anno 1370. bis Anno 1600. in der Statt Augspurg mit allen hohen Ehren haben aufgenom(m)en, wund(er)bahrlich Sachen gantz lustig zue lessen begriffen undt zuesam(m)en gebracht worden." – In der Einleitung heißt es: "hat der erste Fugger Hannß genannt vor 230 Jahren das burgerrecht in der statt Augspurg erheurath", nach Max Jansen ein Kriterium zur Bestimmung der Textrezension im Unterschied zu den Manuskripten, die an dieser Stelle 200 oder 250 Jahre angeben (M. Jansen, Die Anfänge der Fugger, Leipzig 1907, S. 76).

Der Einband mit dem 1718 datierten Supralibros von Josef Anton Eusebius von der Halden läßt uns eine Entstehung der Handschrift am Beginn des 18. Jahrhunderts in Schwaben vermuten, vielleicht in Autenried bei Ichenhausen. Aus Salzburger Adel stammend, besaß von der Halden das Gut Autenried seit 1684 durch Heirat und ließ 1711 das neue Schloß errichten (M. Spindler, Handbuch der bayerischen Geschichte, Bd. III/2, München 1971, S. 1013).

Im Codex selbst kann allenfalls die Abschrift einer Urkunde Auskunft geben, die wohl bald nach der Fertigstellung der Handschrift zwischen dem Ende des Chroniktextes und vor der Zeichnung des Wappens von Hans Fugger eingefügt wurde. Die Urkunde betrifft den Verkauf eines Gutes zu "Sickhausen" (der Ort ist von uns nicht identifizierbar) durch einen Hans Mayr an Conrad Schmidt, Kaufmann und Bürger zu Augsburg (S. 118-119), mit dem abschließenden Vermerk, daß das Original dem Baron von Rehlingen zu Hainhofen (Lkr. Augsburg) vorlag (S. 120).

Von geübter Schreiberhand gefertigt und von alter Hand paginiert, weist unsere Abschrift nur wenige kleine Korrekturen oder Ergänzungen auf, meist Heirats- oder Todesdaten der einzelnen Familienmitglieder, jeweils am Ende des Abschnittes zu ihrer Biographie. Ferner gibt es ab Seite 29 am Rand Folioangaben, die vielleicht auf die zugrundeliegende Vorlage verweisen. – Einzelne moderne Marginalien mit Bleistift, gering fleckig.

Representative large-size transcription of the chronicle on the Fugger family, magnificently designed with the large painted on coat of arms of the Fugger vom Reh (p. 7), the Fugger von der Lilie (p. 28) and the Fugger von Kirchberg and Weißenhorn (p. 47) and at the end the arms used since 1407 by the weaver Hans Fugger in a smaller washed pen and ink drawing. On behalf of Hans Jakob Fugger (1516-1575) Clemens Jäger (around 1500-1561) wrote the first version of the Fugger chronicle after having drawn up already the so-called "Ehrenbuch" of the Fugger. The chronicle is transmitted in many manuscripts, but only in a few cases they are illustrated with heraldic emblems. The binding with the supralibros dated 1718 by Josef Anton Eusebius von der Halden suggests an origin of the manuscript at the beginning of the 18th century in Swabia, perhaps in Autenried near Ichenhausen. Von der Halden descending from a Salzburg aristocracy, owned the manor of Autenried since 1684 by marriage and built the new castle in 1711 (M. Spindler, Handbuch der bayerischen Geschichte, vol. III/2, München 1971, p. 1013). In the codex itself only the transcription of a document may provide information, which was probably inserted shortly after completion of the manuscript between the end of the chronicle text and before the illustration of the coat of arms of Hans Fugger. The document concerns the sale of a property at Sickhausen (this location can’t be identified by us) by Hans Mayr to Conrad Schmidt, merchant and citizen of Augsburg (p. 118-119) with the final note that the original was available for Baron von Rehlingen zu Hainhofen (district Augsburg; p. 120). – Our transcription made by a skilled scribe, paginated by old hand, contains only a few small corrections or additions, mostly dates of marriage or death at the end of the chapters about the different family members; specifications in the folio starting on page 29 refer at margin to another manuscript. – Some modern entries with pencil at margin, minimally soiled.