148: MÜNCHEN – SAMMLUNG

von zus. zwölf Autographen und Brieffragmenten von Münchener Schriftstellern und Künstlern, nämlich Fritz Erler, Theodor Etzel, Ludwig Ganghofer, Paul Heyse, Heinrich Kley, Fritz von Ostini, Roda Roda (2), Josef Ruederer, Rudolf Schramm-Zittau, Wilhelm Schulz und Wilhelm Weigand, alle entstanden im Herbst 1911 als Antwort auf eine Anfrage der Redaktion der Zeitschrift "Die Saison". Verschied. Formate. (158)
Schätzpreis: 1.200,- €
regelbesteuert 19% MwSt.
Ergebnis: 2.400,- €


Wie Thomas Mann, dessen Antwort auf die Redaktionsanfrage wir als Autograph in diesem Katalog unter der Losnummer 143 anbieten, beantworten die Schriftsteller und Maler eine Anfrage der Redaktion der von Gustav A. Wolff herausgegebenen Münchner Zeitschrift "Die Saison" für das "Sonderheft München". Die Stellungnahmen der Autoren wurden unter der Überschrift "München im Urteile seiner Schriftsteller" im Jahrgang XVI, Heft 1 vom 1. Oktober 1911 veröffentlicht (S. 46). Nach einer kurzen redaktionellen Vorbemerkung sind Beiträge von Paul Heyse, Thomas Mann, Ludwig Ganghofer, Theodor Etzel und Roda Roda (in dieser Reihenfolge) abgedruckt. – Das "Sonderheft München" mit insgesamt 54 Seiten enthält Abschnitte etwa über "München als Fremdenort", "Pferdesport in München" oder "Die X. Championats-Hundeausstellung". Der Beitrag mit den Stellungnahmen der Schriftsteller wurde fast ganz am Ende eingereiht. Zuvor gibt es einen Abschnitt über "Münchener Künstler" mit Porträtphotographien von insgesamt 20 Malern und Zeichnern (S. 35-38). – Für die Ermittlung dieser Publikation danken wir dem Münchner Thomas-Mann-Forscher Dr. Dirk Heißerer sehr herzlich.

Unsere Autographensammlung befand sich in einem maschinenschriftlich an Maria von Weech in München 23, Dietlindenstraße 10/III, adressierten Kuvert, das von Hand in großen Buchstaben mit der Aufschrift "Autogramme" versehen ist. Die Zuschriften an die Redaktion der Münchener Zeitschrift waren demnach in den Besitz von Gabriele Maria Magdalena von Weech (1871-1921) gelangt, einer Tochter des Historikers Friedrich von Weech (1837-1905).

Vorhanden sind fünf Schriftstücke von Schriftstellern:

I. ETZEL, TH., Schriftsteller (1873-1930). E. Manuskript mit e. U. Nicht dat. Wohl München, September 1911. Ca. 33 x 21 cm. Eine Seite. – Der Schriftsteller und Redakteur Theodor Etzel (auch Theodor Schulze-Etzel; Geburtsname Theodor Schulze) lebte von 1904 bis 1913 in München, wo er gemeinsam mit Roda Roda die Reihe "Die lustigen Bücher" herausgab. – In seinem Manuskript mit der Überschrift "München" würzt er sein Lob auf die Stadt mit leichter Ironie. Bezugnehmend auf sehnsuchtsvolle Zitate von Freunden, die in anderen Städten leben, folgert er: "So also bewährt sich München immer wieder als ein[e] böse Stadt, die jeden, der sie wieder verlassen muss, sich sehnen, leiden und sterben lässt. Ich nehme die Verantwortung nicht auf mich, sie irgendwem zu empfehlen, es sei denn dass es einem möglich wäre, bis an sein Lebensende alljährlich mindestens von der ersten Weisswurstnacht bis zum Sylvestertrunk hier zu sein." – Oben mit hinterlegtem Einriß, papierbedingt gebräunt, Faltspuren.

II. GANGHOFER, L., Schriftsteller (1855-1920). E. Manuskript mit e. U. Nicht dat. Wohl München, September 1911. 4º. Eine Seite. – Briefpapier mit goldgepr. Monogramm. – Unter der Überschrift "München im Urteil eines Schriftstellers!" bezieht sich Ludwig Ganghofer zunächst auf einen einst von Paul Heyse geäußerten Ausspruch, der ähnlich wie Thomas Mann den Gleichmut gegenüber bekannten Persönlichkeiten rühmt: "In München kann man in aller Ruhe ein berühmter Mann sein." Dann fährt er fort: "Hat man Heiterkeit nötig, so findet man sie; bedarf man der Anregung, so kommt sie uns im(m)er entgegen; und braucht man Ruhe, so ist sie da." – Mit Faltspuren.

III. HEYSE, P., Schriftsteller (1830-1914). E. Gedicht mit e. U. Nicht dat. Wohl München, September 1911. 2 S. – Einzelblätter. – Paul Heyse beantwortete die Anfrage mit dem Gedicht "Weihspruch". Der redaktionellen Vorbemerkung im Abdruck in dem "Sonderheft München" ist zu entnehmen, daß er seine Rühmung von München, das er als "Schöne Stadt am Isarstrand" apostrophiert, am 27. Februar 1890 in das Goldene Buch der Stadt München eingetragen hatte.

IV. RODA RODA, (d. i. A. S. ROSENFELD), Schriftsteller (1872-1945). Typoskript mit e. U. Nicht dat. Wohl München, September 1911. Fol. Eine Seite. – Unter der Überschrift "München" folgt ein geradezu überschwenglicher Lobpreis auf München als Literaturstadt. Auf "Landkarten der Litteratur" wären die Städte Berlin, Hamburg, Düsseldorf und Wien, für die jeweils nur einzelne Dichter zu nennen seien, zu vernachlässigen. "München aber gäb den fettesten Klunker auf der Karte". Hier zählt Roda Roda eine Fülle von Namen auf, darunter nicht ganz unbescheiden auch sich selbst: "in München wohnen Paul Heyse, Georg Hirth, Conrad, Bernstein, Ganghofer; – Wedekind, Meyrink, die Brüder Mann, die Böhlau; – Max Halbe, Thoma, Holm, Graf Keyserling; – die Brachvogel, die Janitschek, die Beutler, Betty Winter; – Freksa, Ludwig Scharf, Prévôt, Gumppenberg; – Väterchen Rössler; – ich; – dann Mühsam, Blei; – die beiden Etzel; – Jacques, Lux, Ruederer, Brandenburg; – bald auch Dauthendey. … Eine Grossstadt der Litteratur. Nie in Deutschland hats eine grössere gegeben." – Der letzte Absatz, voller bitterer Ironie, ist mit Bleistift mehrfach gestrichen: "Wer das bisher noch nicht bemerkt hat: der Hof; der Magistrat; die Staatsbehörden; die Presse; die Bürgerschaft; und etliche Bengel, die vom Spucken leben." – Im Abdruck wurde die direkte Kritik etwas mehr im Unbestimmten belassen: "Die Normalbanausen; – die Muftis und Kaziken; – die Sykophanten, die Gemeindetrommler". – Vor "Dauthendey" zwei Buchstaben gestrichen. – Unten mit Stempel: "Anmerkung für den Setzer: Ich schreibe meinen Namen ohne Bindestrich." – Mit Faltspuren.

V. WEIGAND, W., Schriftsteller (1862-1949). E. Brief mit e. U. Dat. München, 14. 9. 1911. Ca. 18 x 14,5 cm. Eine Seite. – Wilhelm Weigand, Mitbegründer der "Süddeutschen Monatshefte", verweigerte zu seinem "lebhaftesten Bedauern" eine Stellungnahme zu München.

Erhalten haben sich ferner drei Briefe von Malern und Zeichnern, die um Porträts gebeten wurden:

I. ERLER, F., Maler (1848-1940). E. Brief mit e. U. Holzhausen am Ammersee, wohl September 1911. Ca. 27 x 22 cm. Eine Seite. – Mit gedrucktem Briefkopf. – Fritz Erler, als Porträtist und Freskant erfolgreich, verweist "wegen eines Selbstporträts für die ‘Saison’" auf den Verlag Bruckmann. – Mit Faltspuren.

II. KLEY, H., Zeichner (1848-1940). E. Briefkarte mit e. U. Nicht dat. Wohl München, September 1911. Ca. 9 x 12,5 cm. 2 S. – Heinrich Kley, bekannt geworden als Zeichner für den "Simplicissimus" und "Die Jugend", bittet darum, die "beiliegende Photogr(aphie)" nicht sofort zurückzuschicken, er "ver[r]eise auf einige Zeit".

III. SCHULZ, W., Karikaturist (1865-1952). E. Brief mit e. U. Dat. München, 16. 9. 1911. Ca. 17 x 13 cm. Eine Seite. – Begleitschreiben zur Übersendung seines Bildes. – Wilhelm Schulz war ebenfalls ständiger Mitarbeiter des "Simplicissimus".

Eigenhändige Briefe von Fritz von Ostini (1861-1927), Roda Roda und Rudolf Schramm-Zittau (1874-1950), wohl aus dem gleichen Zusammenhang, blieben leider nur in kleinen Fragmenten erhalten, nämlich in Ausschnitten mit den Unterschriften; ebenso gibt es ein Fragment mit Unterschrift von Josef Ruederer (1861-1915) auf einem Schreiben von anderer Hand.

Beiliegen das erwähnte Kuvert mit Anschrift der Marie von Weech sowie vier kleine Schulpreis-Urkunden aus ihrer Zeit am Erziehungs-Institut in Dietramszell.

Sammlung unbekannter Autographen mit zumeist sehr originellen Würdigungen von München; bemerkenswerte Quellen, zumal ihre Publikation in der populären Münchener Zeitschrift "Die Saison" in der Literatur über die Prinzregentenzeit bislang völlig vergessen blieb.