145: GOETHE – FREUNDSCHAFTSALBUM DES JOHANN FRIEDRICH ANTHING,

geführt von 1784-1804. Daraus sechs Bl. mit Einträgen von Johann Wolfgang von Goethe, Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg, Katharina zu Stolberg, Emily Gore, Herzog Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach und Herzogin Anna Amalia (Weimar 1789-92), alle in Kopien von A. von Simon (geborene Eckardt). Deckfarben und Tinte auf Bütten. Nicht dat. (München, wohl um 1916). 16 x 24,5 cm. Hlwd. d. Zt. mit mont. Deckelbordüren aus geprägtem Goldpapier und in Deckfarben gemalter mont. Goethe-Silhouette als Supralibros (leicht fleckig, berieben und bestoßen). (148)
Schätzpreis: 1.200,- €
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Sehr seltenes Faksimile aus einem verlorenen Album. – Der Silhouetteur Johann Friedrich Anthing (1752-1805) aus Gotha hat auf seinen Reisen zu den Höfen Europas im Zeitraum von über zwanzig Jahren mindestens zwei umfangreiche persönliche Freundschaftsalben mit Schattenrissen und Eintragungen zahlreicher bedeutender Persönlichkeiten angelegt. In Weimar, wo er 1789 ankam, hat er unter anderem die Silhouetten Goethes, des Herzogs Karl August und von dessen Mutter Anna Amalia gezeichnet. Das Album mit den Weimarer Eintragungen, die nur einen Teil der insgesamt 158 Beiträge ausmachten, hat laut Überlieferung der Kunstsammler Martin Schubart (1840-1899) in Dresden erworben. Er brachte es nach München, wo es nach seinem Tod in den Besitz seiner Witwe Sophie Schubart-Czermak überging, die es später veräußert hat. Großfürst Nikolai Michailowitsch Romanow konnte das Album 1914 durch den Berliner Händler Karl Ernst Henrici erwerben. Danach verliert sich seine Spur, der Verbleib ist bis heute unbekannt.

Im Rückblick muß man es eine glückliche Fügung nennen, daß die sechs wohl bedeutendsten Blätter mit zwölf Eintragungen entfernt und an Frau Schubart-Czermak zurückgegeben wurden. Bald darauf, man vermutet um 1916, hat die Münchener Malerin und Restauratorin Annette Simon, geborene von Eckardt (1871-1934), davon mehrere Sätze Kopien angefertigt, wobei sie die bedeutendsten der zwölf Einträge jeweils auf separate Blätter mit leerer Rückseite übertrug. Annette Simon, die eine große Kunst- und Antiquitätenkennerin war, ist als Malerin indessen nur wenig bekannt geworden. In die Kunstgeschichte eingegangen ist sie in erster Linie als die Geliebte von Franz Marc. Von Simons Kopien der Anthing-Blätter sind Exemplare mit sechs und sieben Darstellungen bekannt. Die Anzahl der bislang nachweisbaren Exemplare ist äußerst gering: Nach unseren Recherchen ist über den KVK nur eines mit sechs Blättern zu ermitteln (in der Van Pelt Library der Universität von Philadelphia, USA, ursprünglich aus der Sammlung des Antiquars Emil Hirsch stammend); ein weiteres Exemplar, wohl das einzige mit sieben Blättern, besitzt das Düsseldorfer Goethe-Museum. Dort ist noch der Eintrag von Karl Theodor von Dalberg vorhanden. Die sechs doppelseitig beschriebenen Originalblätter mit allen zwölf Einträgen befinden sich heute ebenfalls in Düsseldorf, in der Anton und Katharina Kippenberg-Stiftung in Schloß Jägerhof; sie wurden 1929 bei Leo Liepmannsohn in Berlin versteigert, wohl im Jahr 1957 konnte sie das Goethe-Museum erwerben. – Leicht gebräunt, gering fleckig.

Very rare facsimile from a lost album. – Album amicorum of Johann Friedrich Anthing from 1784 – 1804. Thereof six leaves with entries by Johann Wolfgang von Goethe, Duke August von Sachsen-Gotha-Altenburg, Katharina zu Stolberg, Emily Gore, Duke Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach and Duchess Anna Amalia (Weimar 1789-92), all in copies by A. von Simon (née Eckardt). Gouache and ink on handmade paper. Not dated (Munich, probably around 1916). 16 x 24,5 cm. Contemporary half cloth with mounted ornamental border on sides of coined gilt paper and mounted Goethe silhouette as supralibros painted in gouache (slightly soiled, rubbed and scuffed). – Slightly browned, minimally soiled.