143: MANN, TH.,

Schriftsteller (1875-1955). E. Brief mit U. Dat. Bad Tölz, 14. 9. 1911. Eine Seite. – Mit gedrucktem Briefkopf. (158)
Schätzpreis: 1.200,- €
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Thomas Mann beantwortet eine Anfrage der Redaktion der von Gustav A. Wolff herausgegebenen Münchener Zeitschrift "Die Saison", die für das "Sonderheft München" mehrere Schriftsteller um Stellungnahmen zur bayerischen Hauptstadt gebeten hatte:

"Sehr geehrter Herr! München? München ist eine schöne sinnlich-liebenswürdige Stadt, die schönste Deutschlands, vielleicht die schönste der Welt. Der Geist genießt dort ein angenehmes Inkognito. Ich möchte nirgends anders leben."

Unser Brief befand sich mit weiteren Autographen von Münchener Schriftstellern und bildenden Künstlern in einem maschinenschriftlich an Maria von Weech in München 23, Dietlindenstraße 10/III, adressierten Kuvert, das von Hand in großen Buchstaben mit der Aufschrift "Autogramme" versehen ist. Die Zuschriften an die Redaktion der Münchener Zeitschrift waren demnach in den Besitz von Gabriele Maria Magdalena von Weech (1871-1921) gelangt, einer Tochter des Historikers Friedrich von Weech (1837-1905).

Veröffentlicht wurden die an die Redaktion eingegangenen Antworten der Autoren unter der Überschrift "München im Urteile seiner Schriftsteller" in dem Heft vom 1. Oktober 1911 (Die Saison, Jg. XVI, Heft 1, S. 46). Bis auf die Anrede ist das Schreiben von Thomas Mann hier in voller Länge abgedruckt (nicht bei Potempa). Sein kurzer Text steht an zweiter Stelle, nach dem Beitrag von Paul Heyse und vor den Beiträgen von Ludwig Ganghofer, Theodor Etzel und Roda Roda. – Das "Sonderheft München" mit insgesamt 54 Seiten enthält Abschnitte etwa über "München als Fremdenort", "Pferdesport in München" oder "Die X. Championats-Hundeausstellung". Der Beitrag mit den Stellungnahmen der Schriftsteller wurde fast ganz am Ende eingereiht. Ein Abschnitt über "Münchener Künstler", illustriert mit Porträtphotographien von 20 Malern und Zeichnern, ist etwas weiter vorne im Heft plaziert (S. 35-38).

Wie unser Thomas-Mann-Brief sind auch die veröffentlichten Texte von Theodor Etzel, Ludwig Ganghofer, Paul Heyse und Roda Roda als Autographen unversehrt erhalten geblieben, ebenso ein Brief von Wilhelm Weigand, der die Anfrage negativ beantwortet hatte. Ein Brief des Schriftstellers Fritz von Ostini und ein weiteres Schreiben von Roda Roda sind nur in Fragmenten überkommen. Briefe von Malern und Zeichnern, die um Porträts gebeten wurden, sind teils zur Gänze, teils nur in Fragmenten mit den Unterschriften erhalten (siehe Losnummer 148).

Auf Grund des Abdrucks in einer populären, für Literaturwissenschaftler jedoch sehr abgelegenen Zeitschrift, blieb die von Thomas Mann spontan und knapp formulierte, aber geradezu überschwengliche Würdigung seiner Wahlheimatstadt bislang in der Literatur völlig unbekannt. – Für diese Information und die Ermittlung der Publikation danken wir dem Münchner Thomas-Mann-Forscher Dr. Dirk Heißerer sehr herzlich.

Am linken Rand unregelmäßig abgerissen, mittig mit Faltspur, papierbedingt leicht gebräunt.