142: GIESECKE, K. L., Librettist und Mineraloge (1761-1833).

E. Brief mit e. U. Dat. Grönland, 12. 6. 1809. 4º. 2 1/2 S. – Doppelblatt. (57)
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Karl Ludwig Giesecke ist der Künstlername des Schauspielers und Librettisten, Polarforschers und Mineralogen Johann Georg Metzler (1761-1833). Nach dem Studium der Rechte und der Mineralogie in Göttingen arbeitete er als Schauspieler von 1789 bis 1800 in Wien am Freihaustheater unter der Direktion von Emanuel Schikaneder. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Libretti sowie die Übersetzungen der Mozartopern "Le nozze di Figaro" und "Cosi fan tutte". "Seine (Mit-)Verfasserschaft des Textbuches der Zauberflöte (1791) wurde viel diskutiert, aber nicht erwiesen" (NDB VI, 383). Nachdem er eine Konzession als Mineralienhändler erhalten hatte, bereiste er zahlreiche Länder und eröffnete in Kopenhagen eine Schule für Mineralogen. Unser Brief stammt aus der Zeit seines Grönlandaufenthaltes von 1806-13, dessen lange Dauer auch durch die Napoleonischen Kriege erzwungen war. Sein "Bericht einer mineralogischen Reise in Grönland in Form eines Tagebuchs gehalten" wurde zum Standardwerk. Nach seiner Rückkehr lehrte er in Dublin.

Der Adressat unseres Briefes, ein "verehrungswürdiger Freund", ist von uns nicht identifizierbar. Die Adresse auf der Rückseite des zweiten Blattes ist wegen des Ausschnittes nur fragmentarisch erhalten. Lesbar ist "Herrn Chevalier de Co … in Augsbu(rg)". – Giesecke antwortet ihm auf einen Brief vom 1. 4. 1808, den er am 28. 5. 1809 auf seiner zweiten Reise nach Kap Farvel erhielt. Zunächst bedauert er, seine Schwester "meiner Entfernung von Europa wegen" finanziell nicht unterstützen zu können, und gibt einige Ratschläge zum Verkauf der "von Herrn Lang erkauften Sachen". Dann beklagt er seine eigene Lage: "Der leidige Krieg hält mich noch im(m)er in diesem traurigen Lande zurück. – Der erste Theil meines Transportes gerieth mit den Dänischen Kolonialschiffen in die Hände der Englischen Kaper(er); zugleich bran(n)te[n gestrichen] bey dem Bombardement von Kopenhagen mein ganzer seit 8 Jahren gesam(m)elter und im Petri Priesterhause verwahrter Vorrath von Naturalien, naturhistorischen Büchern, und schriftlichen Aufsätzen in einer unglücklichen Nacht aus, ein Schade von großem Belange für mich … meiner schönen Edelsteinsam(m)lung nicht zu gedenken, welche auch in Schutt begraben wurde." – Eindrucksvoll schildert er auch seine Lebensumstände in Grönland: "Wir waren gezwungen des Holzmangels wegen uns vorigen Winter bey Thranlampen zu erwärmen und zu kochen, obgleich wir auch oft mit hartem grobem Schiffszwieback uns begnügen mussten. Alles geht auf die Neige, sogar Wäsche und Kleidungsstücke, Dinte und Papier." – Laut der Notiz "empfang 18 (Septem)bri 1814" erreichte der Brief den Adressaten erst nach der Rückkehr von Giesecke aus Grönland. – Mit Siegelausriß und großem Ausschnitt unterhalb der Unterschrift auf dem zweiten Blatt, Faltspuren.