139: REVOLUTION 1848 – BERLIN –

Brief des Seilergesellen Adolph Freystatzky an seine Familie in Lauenburg. Dat. Berlin, 6. 6.48. 4º (28,3 x 23 cm). 1 1/4 S. – Doppelblatt mit 12 (11 altkolor.) kleinen lithogr. Revolutions-Darstellungen auf der Vorderseite, Lithographisches Atelier F. E. Feller, Berlin. (92)
Schätzpreis: 400,- €
Ergebnis: 200,- €


Auf den Augenzeugenbericht des fahrenden Handwerksgesellen Freystatzky, der die Ereignisse der Märzrevolution in Berlin in einem Brief an seine Familie schilderte (unsere Auktion 79, Los 86), folgt hier ein weiteres Schreiben, etwa drei Monate später datiert und nicht minder interessant: Eine große Militärverschwörung gegen die Bürger habe man am 31. Mai entdeckt. Waffen sollten aus dem Zeughaus mit Schiffen in die Festung Spandau gebracht werden, damit sich das Militär bei erneuten Unruhen dort verschanzen könne. Vorher sollte das Militär die umliegenden Dörfer unter seine Kontrolle bringen, um dann den König wieder "in seine alte Regie" einzusetzen. "Aber die Sache wurde kurz vor dem Ausbruch verrathen, die Schiffe mit den Waffen conficirt, das Militär aus dem Zeughause fortgejagt und unter eine Bewachung von 300 Bürgern gestellt, welche alle 6 Stunden wechseln. Der König hat durch diese Geschichte sehr das Zutrauen verlohren. Der Prinz von Preußen wird nägstens zurück erwartet. Die allgemeine Stimme ist für ihn, indem er jetzt an allem unschuldig sein soll, jetzt fällt der ganze Verdacht auf den König…" Ein E. Hartkopf, der ihm diesen Brief besorgt habe, könne noch mehr davon erzählen. – Das Briefpapier des Verlegers Feller zeigt auf der Vorderseite kleine Szenen des Revolutionsgeschehens vom März 1848 mit erklärenden Titeln. – Einige kleine Randläsuren, Falze mit einigen Einrissen und Brüchen, leicht gebräunt, kaum fleckig, Schrift etwas blaß. – Transkription beiliegend.