1298: HARFE – SAMMELBAND MIT MUSIK FÜR DIE HARFE.

26 Stücke in Notenhandschriften und zwei sehr seltene Drucke. Nicht dat. (wohl Deutschland, bald nach 1800). Qu.-4º. Schlichte, etw. läd. Pp. d. Zt. (44)
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Eine Fundgrube der Harfenmusik um 1800. – Offenbar zum praktischen Zweck von Aufführungen zusammengestellter Sammelband mit Abschriften von Originalkompositionen und Arrangements, überwiegend von Musik für Harfe solo, einzelne Stücke auch mit dem Harfenpart aus Werken für mehrere Instrumente. Der Band dürfte bald nach 1800 angelegt worden sein, doch stammen die Werke teils aus etwas früherer Zeit, den letzten drei Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts. Es handelt sich um eine dem Zweck entsprechend zwar exakt notierte, aber ohne jede kalligraphische Attitüde angefertigte Gebrauchshandschrift. Ihre Bedeutung liegt in der Sammlung von höchst seltenen Werken französischer und deutscher Meister aus einer in dieser Zeit recht abseitigen musikalischen Gattung. Die hier in Abschriften vorhandenen Werke können zwar, soweit von uns überprüft, in der Regel in anderen Handschriften oder Drucken nachgewiesen werden, doch sind die meisten davon in Vergessenheit geraten und von großer Seltenheit. Es ist nicht auszuschließen, daß einzelne der Notenhandschriften auch unbekannte oder verschollene Werke überliefern.

Enthalten sind Werke von Johann Christian Ludwig Abeille (1761-1838), Johann Sebastian Démar (1763-1832), Johann Ladislaus Dussek (1760-1812), Franz Jakob Freystädtler (1761-1841), Joseph Gelinek (1758-1825), Johann Andrea Kauchlitz (Colizzi; 1742-1808), Friedrich Joseph Kirmair (1770-1814), François-Joseph Naderman (1781-1835), Ignaz Pleyel (1757-1831), Daniel Gottlieb Steibelt (1765-1823), Johann Baptist Vanhal (1739-1813), Georg Joseph Vogler (Abbé Vogler; 1749-1814) und John Erhardt Weippert (1739-1820). Ferner sieben Werke ohne Komponistennennung, die von uns weitgehend identifiziert werden konnten. Von Bedeutung vor allem vier Variationsstücke: Das erste in F-Dur findet sich, ebenfalls ohne Autorenangabe, in einem Sammelband der Bayerischen Staatsbibliothek in München (Mus. ms. 2796, verzeichnet im RISM unter der ID-Nr. 450064969). Bei dem zweiten Stück, ebenfalls in F-Dur, handelt es sich um eine Bearbeitung der Ballettmusik aus der Oper "Castore e Polluce" des Abbé Vogler, und das dritte Stück in C-Dur stammt von Joseph Weigl (1766-1846); es variiert ein unter dem Titel "Donna di testa debole" bekanntes Thema (in derselben Sammlung wie das erste Stück überliefert und verzeichnet unter RISM ID-Nr. 450064984). Dem vierten Variationswerk in C-Dur liegt ein Thema aus der Oper "Le petit matelot" von Pierre Gaveaux (1760-1825) zugrunde, der Komponist ist hier nicht zu ermitteln. Weiterhin ohne Verfasserangabe sind die für Harfe arrangierten Märsche aus den Opern "Les mariages samnites" von André Grétry (1741-1813), "Lodoiska" von Luigi Cherubini (1760-1842) und "Titus" von Mozart.

Am Ende sind zwei Rarissima der gedruckten Harfenliteratur eingebunden. Der erste Druck ist weltweit nur in einem Exemplar nachweisbar, der zweite wurde zwar bei seinem Erscheinen ausführlich rezensiert, doch ist davon heute über den KVK und den RISM kein Exemplar in öffentlichen Bibliotheken mehr nachweisbar:

1.) HASENBALG, (J.) F., Andantino grazioso varié pour la harpe. Braunschweig, Magazin de musique à la Höhe, o. J. (Plattennr. 94, 1797). 8 S. (Titel [verso in der Paginierung] und Notentext, alles gestochen). – Johann Friedrich Hasenbalg (1771-1859) war ein in Braunschweig wirkender Harfenist, der in seiner Zeit einige Anerkennung gefunden hat. Er hat wenige Kompositionen veröffentlicht, die vorliegende war wohl sein Opus 1 (so angeführt bei Gerber, Bd. II, Leipzig 1812, S. 514; ebenso bei Fétis, Bd. V, Brüssel 1839, S. 62). – Nicht über den KVK und den RISM nachweisbar, doch im Katalog der Allgemeinen Musik-Gesellschaft Zürich aufgeführt.

2.) BACKOFEN, (J. G.) H., Seize Variations sur l’air Ah! vous dirai je Maman, pour la Harpe à crochets. Leipzig, Breitkopf und Härtel, o. J. und Plattennr. (1797). 11 S. typographischer Notentext. – Verschollener Druck, weder über den KVK noch den RISM nachweisbar. – Offenbar das publizierte Erstlingswerk des Klarinettisten und Komponisten Johann Georg Heinrich Backofen (1768-1830), laut Meusel (Teutsches Künstlerlexikon, 2. Ausgabe, Bd. I, Lemgo 1808, S. 30) 1796 erschienen und von der Allgemeinen musikalischen Zeitung hoch gelobt, wo es über die vorliegenden Variationen heißt, sie seien "so reich an angenehm und stark wirkenden Veränderungen […], als vielleicht keine, die für die Harfe gesezt worden" (IV. Jg. 1801/02, Juni 1802, Sp. 602).

Einzelne Eckabrisse, die Bögen großteils unbeschnitten, leicht gebräunt und stellenw. fleckig. – Aus süddeutschem Adelsbesitz.

Collection of music for the harp. 26 pieces of handwritten music scores and two very rare prints. Not dated (probably Germany, soon after 1800). Oblong quarto. Plain, contemporary somewhat damaged cardboard. – Collection of transcriptions with original compositions and arrangements, mainly of music for harp solo, some pieces also for several instruments, apparently compiled for the practical purpose of performances. The volume was probably started soon after 1800, some of the works are however from an earlier period, from the last three decades of the 18th century. We have here a manuscript for use without calligraphic elements or value, but exactly notated music. The collection is important for its extremely rare works of French and German masters from a quite remote musical genre. As far as verified by us, the works existing here in transcriptions can usually be documented in other manuscripts or printings, but most of them are forgotten and therefore of great rarity. It cannot be excluded that some of the handwritten music scores also contain unknown or lost works. – Some torn off corners, the sheets mostly uncut, slightly browned and soiled here and there. – From a Southern German noble collection.