125: KELLER, G.,

Schriftsteller (1819-1890). E. Gedicht k-E"Dies Blümlein ruft"k-A mit U., auf einem Albumblatt mit farblithogr. Rankenbordüre. Dat. Zürich, 1888. 22,2 x 13,8 cm. (8)
Schätzpreis: 5.000,- €


Dies Blümlein ruft: / vergiß mein nicht! / Der Epheu spricht: ich laß’ dich nicht! / So hält zusammen Lieb’ und Treu’ / Die Welt und schmückt sie täglich neu! – Dieses kleine, doch recht reizvolle Gelegenheitsgedicht wurde, nachdem es vor einigen Jahren im Handel auftauchte, aufgenommen in den Band 14 der historisch-kritischen Gottfried-Keller-Ausgabe, Verstreute Gedichte und Erzählungen, Frankfurt und Basel 2011, wo es in der Abteilung Albumtexte unter der Nr. 81 (S. 182) abgedruckt ist: "Albumgedicht 1888, handschriftlich, indirekt überliefert". Hier haben wir die Quelle selbst vor uns, die zudem eine nicht unwesentliche Korrektur zeigt. So sollte der erste Vers anfänglich lauten: "Dies Blümlein ruft: ich / laß’ Dich nicht!", die kurze zweite Zeile ist daher recht weit eingerückt. Keller hat sich offensichtlich nicht etwa beim Übertragen des bereits fertigen Textes verschrieben, sondern das Gedicht erst auf diesem Blatt entworfen: Die Worte "ich laß’ Dich nicht" hat er im nächsten Vers dem Efeu zugeordnet, was inhaltlich natürlich wesentlich sinnvoller ist (die Blume ist das Vergißmeinnicht, der Efeu ist eine stark anhaftende Rankpflanze). Das Albumblatt wird daher kaum als Geschenk entstanden sein, sondern war ein Skizzenblatt Kellers, der sich durch die farblithographische Illustration einer Efeu – und Vergißmeinnicht-Bordüre zu diesem kleinen Gedicht offenkundig unmittelbar hat anregen lassen. Dieses Blättchen gewährt uns daher einen Blick über Kellers Schulter beim Vorgang des Dichtens und der Genese des Gedichtes. – Tinte stellenw. leicht verwischt und mit wenig Abrieb, gering fleckig, verso mit leichten Montagespuren.

Only source – Manuscript poem "Dies Blümlein ruft" with signature on an album page with lithographed floral bordure. Dated Zurich 1888. – Ink partially slightly smudged and a little rubbed, a little soiled, verso with traces of mounting.