125: ECKARDT, J. A. W. VON, Diplomat und Historiker (1836-1908).

40 e. Briefe mit U., alle an Richard Schöne gerichtet. Dat. Berlin, Hamburg, Tunis, Marseille, Stockholm, Zürich und andernorts 1875-1906. Meist 8º, einzelne 4º, einzelne kleiner. Zus. ca. 90 Seiten. – Tls. Doppelblätter, gelegentlich mit gedrucktem Briefkopf. (21)
Schätzpreis: 200,- €
Ergebnis: 100,- €


Aus der sich über mehrere Jahrzehnte erstreckenden Korrespondenz zwischen Eckardt und dem Archäologen Richard Schöne (1840-1922), Direktor der Königlichen Museen zu Berlin. Spricht Eckardt im ersten dieser Briefe Schöne noch als "verehrten Gönner" an, so wechselt die Anrede bald in "verehrter Freund". Beide standen sich offensichtlich sehr nahe und hatten einen gemeinsamen Freundes- und Bekanntenkreis, zu dem beispielsweise Gustav Freytag gehörte. Bei diesen aus dem Familienbesitz Schönes überlieferten Briefen dürfte es sich um die kompletten Schreiben Eckardts an Schöne handeln. Eckardt war als Journalist und Politiker tätig; er wandte sich zeitlebens entschieden gegen den Panslawismus und schrieb als Redakteur der "Grenzboten" Gustav Freytags und als Chefredakteur des "Hamburgischen Correspondenten" dagegen an. Besonders bemühte sich Eckardt um die Aufklärung über die innerrussischen Verhältnisse und das von ihm befürchtete russische Vordringen nach Europa. Dazu verfaßte er einige sehr gelehrte und mitreißend geschriebene Essays und Bücher. Von Bismarck wurde er 1874 nach Berlin berufen, 1885 wurde er Konsul in Tunis, 1889 in Marseille, 1892 Generalkonsul in Stockholm, 1897 in Basel und 1900 in Zürich. Seine Vita, politischen Positionen und persönlichen Intentionen sind durch seine Autobiographie und die zahlreichen Schriften hinreichend bekannt. Bedeutend ist Eckhardt auch für sein Engagement für die Sozialpolitik, unter anderem als Mitbegründer des heute noch existierenden "Vereins für Sozialpolitik".

Die bislang nicht bekannt gewordene Korrespondenz mit Richard Schöne ist eine biographische Fundgrube, in der viel Persönliches zur Sprache kommt und Eckardt über den Freundes- und Bekanntenkreis, aber auch verschiedene Themen der Politik, Kultur und Kunst sowie über seine Tätigkeiten, Erfahrungen und Erlebnisse von den jeweiligen Orten, an denen er als Journalist und Diplomat wirkte, teils ausführlich berichtet, unter Nennen vieler bedeutender Persönlichkeiten des Geisteslebens der Zeit. Besonders interessant sind auch Passagen aus den Briefen als Redakteur in Hamburg, teils mit Ausführungen über Kollegen – etwa über Leopold von Pezold (1832-1907) in einem Brief vom Oktober 1876. Diese frühen Briefe tragen teils die gedruckten Briefköpfe des "Hamburgischen Correspondenten" und – zwischen 1893 und 1906 – diejenigen der kaiserlichen deutschen Konsulate in Stockholm (1893), Basel (1899), Zürich (1905) und Nizza (1906). – Gering gebräunt, leichte Gebrauchsspuren. – Beiliegt eine Notiz von E. von Feuchtersleben (1806-1849), daß er sich das italienische Wörterbuch eines Freundes ausborge.