120: HUMBOLDT, A. VON,

Naturforscher (1769-1859). E. Brief mit U. Dat. "en jeudi, la nuit" (Paris, Ende 1838). 1/2 S. – Doppelblatt mit Siegelfragment. (8)
Schätzpreis: 400,- €
Ergebnis: 550,- €


Abgefaßt während seines Aufenthalts in Paris 1838/39 und gerichtet an den Marinemaler Jean Antoine Théodore Gudin (1802-1880) in Paris. – Mit Bedauern teilt Humboldt Gudin mit, daß er ihm nicht zu der glücklichen Rückkehr von einer Reise (offenbar aus Deutschland) gratulieren konnte, und fährt fort: "Dans toutes les horreurs du prochain départ je ne quitte plus Paris; je suis de plus engagé demain vendredi chez le Bn James Rothschild à diner et le soir avec le Ministre de la Marine à la Société de Géographie …"

Humboldts Aufenthalt 1838/39 in Paris hatte, wie man heute weiß, eine große Bedeutung für die Veröffentlichung des Verfahrens der Daguerreotypie durch die Pariser Akademie der Wissenschaften im August 1839, wie zuletzt die Forschungen von Anna Ahrens anläßlich der Humboldt-Ausstellung im Deutschen Historischen Museum in Berlin gezeigt haben (vgl. den Blogartikel "Der Pate – Humboldt und die Erfindung der Photographie"). Zusammen mit seinem Freund François Arago sorgte Humboldt dafür, daß die Regierung Daguerres Erfindung ankaufte und am 19. August 1839 der Allgemeinheit zur Verfügung stellte. Welchen Schaden das für die Malerei haben würde, war zum damaligen Zeitpunkt noch nicht abzusehen. – Humboldt und der große Maler von naturalistischen Schiffs – und Seestücken, Jean Antoine Théodore Gudin (1802-1880), waren wohl bekannt und befreundet. Als Gudin 1845 in den Orden Pour le Mérite in Berlin aufgenommen wurde, geschah dies sicherlich auf Anraten von Humboldt. Ob Humboldt sich auch bei dem Treffen mit dem Marineminister, von dem er hier schreibt, dafür verwendet hat, daß Gudin 1838 den großen Auftrag über 90 Bilder zur französischen Marine – und Seefahrtgeschichte von König Louis-Philippe erhalten hat, können wir indessen nur vermuten. – Mehrere restaurierte Randaus – und – einrisse, Falze, leicht knittrig und fleckig. – Transkription beiliegend.