106: ENGELS, E.,

Textilfabrikant (1828-1884). 4 e. Briefe mit e. U. Dat. Berlin, 1850. Jeweils 4º (28 x 22 cm). Zus. 9 1/2 S. – Jeweils mit e. rückseitiger Adresse. (149)
Schätzpreis: 1.000,- €


Emil Engels ist einer der vier Brüder von Friedrich Engels (1820-1895), der zusammen mit Karl Marx das Kommunistische Manifest verfaßte. Ihr Vater, Friedrich Engels (1796-1860), hatte im rheinischen Engelskirchen die Baumwollspinnerei "Ermen & Engels" begründet, in die Emil später eintreten sollte.

Alle vier Briefe an seine Mutter in Barmen in der "Rheinprovinz" (datiert 28. 9., 13./14. 11., 4. 12. und 12. 12. 1850) stammen aus der Zeit, als Emil Engels in Berlin seinen Dienst als Freiwilliger in der preußischen Armee leistete. Die Mutter wollte "alle 8 Tage … Nachricht", wie Engels in seinem Brief vom 12. Dezember schreibt. In unserem ersten Brief berichtet er: "Ich bin Artillerist u(nd) werde nächsten Dienstag meine Studien beginnen". Im Brief vom 4. Dezember gibt er am Ende als seine Adresse beim Militär an: "Kanonier Engels / 2te Ersatz Compagnie des / Garde-Artillerie-Regiments / Berlin".

Über seine Vorstellung bei Oberst von Puttkammer am 28. September: "Er hatte offenbar schwer zu Tische gesessen u(nd) war keinesweges erfreut im Verdauungsfieber gestört zu werden, denn er fuhr mich ganz gewaltig an: ‘Na, was wollen Sie denn?’"

Über den Dienstalltag schreibt er am 4. Dezember: "Morgens von 1/2 9 bis 12 u(nd) nachmittags von 1/2 3 bis 4 gehen wir auf dem Kasernenplatz spatzieren, machen rechts u(nd) links um, trotzdem daß wir diese Sachen längst können u(nd) bis zum Ueberdruß gemacht haben. Dafür sagt der Herr Lieutenant dann auch zuweilen: ‘Die Freiwilligen machens gut, aber die Rekruten marschiren wie die Schwainepriester’".

Zu seiner Freizeit am 12. Dezember: "Außerdem habe ich mich aber der Musik in die Arme geworfen. Ich habe ein Cello, wie ich dir schon geschrieben habe, u(nd) habe glücklich 3 junge Leute gefunden, die mit mir zusammen Quartette spielen." – Tls. mit Siegelausriß, geringe Altersspuren.