1: PSALTER –

Lateinische Handschrift auf Pergament. Fragment. Deutschland, Mitte 15. Jhdt. Buchblock ca. 10,5 x 8 cm. Mit 7 größeren und ca. 150 kleinen Initialen in Deckfarben mit Gold und Federverzierungen. 181 Bl. 15 Zln. Schriftspiegel: ca. 6,8 x 5 cm. Spät. Pgt. (Gelenk gebrochen, gebräunt und etw. fleckig). (93)
Schätzpreis: 8.000,- €
Ergebnis: 6.500,- €


Umfangreiches Fragment eines kleinen, mit zahlreichen Initialen gezierten Psalters aus spätgotischer Zeit. – Vom frühen Mittelalter bis in die Neuzeit gehörten die Psalmen im liturgischen wie im privaten Bereich zu den wichtigsten Gebetstexten. Zu den monastischen Gebetszeiten wurden im Laufe einer Woche nach einem bestimmten System jeweils sämtliche 150 Psalmen gebetet oder gesungen, also psalmodiert. Ebenso eigneten sich die kurzen Texte, die in bilderreicher Sprache tiefe menschliche Emotionen ansprechen, besonders auch für die private Andacht.

Die ersten beiden Lagen unseres Psalters, die den Beginn des Psalmentextes und wohl wie üblich einen Kalender enthielten, sind leider nicht erhalten. Der Text beginnt mit Psalm 10, Vers 7. Während die Lagen III-XI und XIII-XX jeweils zehn Blätter umfassen, fehlt in der zwölften Lage, die nur mit acht Blättern überkommen ist, ein Doppelblatt mit dem Text von Psalm 87,14 bis Psalm 88,23. Auch am Ende ist unser Psalter nicht ganz komplett. Nach den Cantica bricht der Text im Magnificat unvermittelt ab. Die letzten drei Blätter mit einem Teil des Credo und einer Litanei wurden von anderer Hand, wohl noch im 15. Jahrhundert ergänzt.

Gefertigt wurde der Psalter aus dünnem Pergament, das nur wenige natürliche Fehlstellen aufweist. Die gotische Buchschrift und der Dekor sprechen für eine Entstehung in Deutschland wohl in der Mitte des 15. Jahrhunderts. Der Schriftspiegel ist jeweils mit einer feinen Linierung in Tinte vorgegeben. Die größeren Initialen markieren den Beginn der Psalmen 26, 38, 51, 68, 80, 101 und 109. Ihr Buchstabenkörper ist jeweils in Blattgold ausgeführt, umspielt von feinen Federverzierungen, die oft in lange Ornamentstäbe auslaufen. Die kleineren Initialen sind mit Gold gehöht und ebenso fein mit der Feder in Rot und Blau verziert. Dabei findet sich eine Vielzahl kleiner Blättchen, etwa dreipaß – oder herzförmig, öfter auch kleine Eicheln und vereinzelt Eichenlaub.

Das handliche kleine Manuskript, das wohl für den privaten Gebrauch in einem adeligen Umfeld gefertigt wurde, zeugt in der gleichmäßigen Buchschrift und der hochwertigen Ausstattung mit Initialen von der handwerklich routinierten Meisterschaft der Schreiber und Illuminatoren, die über ein reiches Formenrepertoire verfügten.

Block gebrochen, mehrfach gestempelt, Vorsatz mit Vermerken von alter Hand, Gold berieben und stellenw. abgeplatzt, ein Blatt mit Einschnitt im Fußsteg, etw. fleckig. – Aus einer norddeutschen Privatsammlung.

Latin manuscript on vellum. Fragment. Germany, around 1450. With 7 larger and approx. 150 small initials in opaque colours with ink and pen decorations. – Extensive fragment of a small late gothic psalter. – The first two layers of our psalter, which included possibly a calendar, are unfortunately missing. The text starts with psalm 10, verse 7. While the layers III-XI and XIII-XX have 10 leaves each, layer XII is missing a double sheet with psalm 87:14 till psalm 88:23, and therefore consists of 8 leaves only. The end of our psalter is not exactly complete either. After the Cantica the text ends abruptly in the Magnificat. The last 3 leaves with parts of the credo and a litany were possibly added in the 15th century by a different hand. The psalter has been written on thin parchment, with only a few natural imperfections. The gothic book hand indicates towards origins in mid-15th century Germany. The typeface is given in a fine line in ink. The largest initials mark the beginning of Psalms 26, 38, 51, 68, 80, 101 and 109. The body of the letters is executed in gold leaf, surrounded by fine penwork that often ends in long ornamental bars. The smaller initials are heightened with gold and just as finely decorated in red and blue. There is a multitude of small leaf decors, for example in the shape of a trefoil and a heart, more often also small acorns and occasionally oak leaves. This handy manuscript, which was probably produced for private use in an aristocratic environment, bears witness in its uniform script and high-quality decoration to the skilled craftsmanship of the scribes and illuminators, who had a rich repertoire of forms at their disposal. – Book block broken, stamped several times, endpaper with old manuscript notes, gold rubbed and sporadically chipped, one leave with cut in bottom margin, somewhat soiled. – Later vellum (joint cracked, tanned and somewhat soiled). – Provenance: north german private collection.