Herzlich willkommen bei Zisska & Lacher

Das Buch- und Kunstauktionshaus Zisska & Lacher GmbH & Co. KG liegt im Herzen Münchens und versteigert zweimal jährlich wertvolle Bücher, Handschriften, Autographen, Stadtansichten und dekorative Graphik.

Ziel ist die präzise und wissenschaftlich fundierte Bearbeitung wertvoller und seltener Werke. Dazu steht eine umfangreiche Referenzbibliothek zur Verfügung. In Einzelfällen werden zudem externe Spezialisten zu Rate gezogen. Unser Schwerpunkt liegt neben bibliophilen Einzelstücken auf dem klassischen Repertoire des antiquarischen Buchhandels mit Handschriften, Urkunden, Autographen, Inkunabeln, alten Drucken, Werken zur Theologie, den Naturwissenschaften, der Kunstgeschichte und Literatur, mit Bibliographien, Atlanten und Werken zur Geographie sowie Reisen. Darüber hinaus versteigern wir alte und dekorative Graphik und würdigen außergewöhnliche Sammlungen in eigenen Sonderkatalogen.

 

Auktionen

Die Auktionen finden jeweils im Frühjahr und im Herbst in den Geschäftsräumen unseres Altstadthauses im Münchener Zentrum am Unteren Anger 15 statt und erstrecken sich meist über drei bis vier Tage. Ein Besichtigungsraum mit ca. 50 Plätzen ermöglicht jeweils eine Woche vor der Auktion die Begutachtung der Versteigerungsobjekte. Die Auktionskataloge erscheinen etwa vier Wochen vor Auktionsbeginn. Unsere kommende Herbstauktion 67 findet vom 9. – 11. November statt.

Wir bringen als ganz besonderen Schwerpunkt einige Originale aus den  serbischen Strömungen DADA, ZENIT und SURREALISMUS

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31 x Yugo Dada

Der Horror des Ersten Weltkrieges führte vor 100 Jahren mit Dada in Zürich zu einer Revolution der künstlerischen Rezeption der Welt, die ganz Europa, Amerika und selbst den Fernen Osten erfaßte. In diesen Ländern entstanden Dada-Varianten, geprägt von den Mühlsteinen der dortigen Kriegserlebnisse vor dem Hintergrund des eigenen geschichtlichen und kulturellen Erbes, wobei der künstlerische und dermenschliche Kontakt zu den Protagonisten der ersten Stundeaus dem Cabaret Voltaire immer erhalten blieb.

Die Ergebnisse dieser künstlerischen Arbeit, in Literatur wiebildender Kunst, wurden mittlerweile weitgehend erfaßt,gesammelt, beschrieben und in öffentlichen Sammlungenzugänglich gemacht.
Das Kunsthaus Zürich, beispielsweise, hat mit den Ausstellungen „Dada in Zürich“ (1980) und „Dada global“ (1994) einen Großteil seiner beachtlichen Sammlung der Weltgeöffnet. Dennoch beklagt es aber in seiner Homepage bis heute, so in einem Interview des verstorbenen Dada-Bibliographen, Sammlers und Antiquars Hans Bolliger als Tondokument, ausdrücklich das schmerzhafte Fehlen von Zeugnissen der bildenden Kunst aus dem europäischen Südosten.
Es sind drei bedeutende avantgardistische Bewegungen aus den frühen 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, welche die Kunstszene der Länder des ehemaligen Jugoslawiens, insbesondere Serbiens, geprägt haben:

Exklusive Vorschau

der Dadaismus, der Zenitismus und der Surrealismus. Vom Zenitismus kann man sagen, daß er etwas ganz Besonderes,authentisch Serbisches und Balkaneigenes, etwas von den damaligen avantgardistischen Zeitschriften in Europa und der Weltvöllig Abweichendes in sich vereinigte.
Unser Haus hat jetzt die große Ehre und die Freude, der Kunstwelt endlich die Möglichkeit zu bieten, diese Lücke mit 31 Positionen, Originalwerken der hervorragendsten Protagonisten,zu schließen. Einige von ihnen verbreiteten ihre Botschaft auchmit der Feder und gelangten bereits als Literaten zu hoher Anerkennung. Das im frühen 20. Jahrhundert immer wieder und besonders bei den Dadaisten auftretende Phänomen dieseskreativen Pluralismus ermöglichte es Künstlern, Architektenund Poeten, ihre revolutionären Ideen von einem Medium in ein anderes zu „übersetzen“ und somit deren Signifikanz zu unterstreichen.
Vor annähernd 100 Jahren von Vertretern des Dadaismus, Zenitismus und Surrealismus gemalt, gezeichnet oder collagiert, von einer dieser Künstlerfamilien in Frankreich später gesammelt und verwahrt, heute seit Jahrzehnten so sehr vergessen, daß mancherorts sogar deren Existenz überhaupt bestritten wird, kommen sie jetzt zur Auktion, wahrhaft eine kleine Sensation.
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Aleksic, Dragan

(Bunic 1901-1958 Belgrad), ALO DAdA. Collage auf bräunlichem Papier, auf Wellpappe aufgezogen. Sign., monogr. und dat.(19)21. 25,5 x 20 cm. – Etw. fleckig und leimschattig.
Collage mit bunten Papierschnipseln und Buchstaben, die vermutlich als Illustrationsvorlage für eine Publikation dienensollte. Aleksic gilt als Begründer des Jugo-Dada, nachdem er während seines Studiums 1920 in Prag das erste Mal von derallmählich abebbenden Avantgarde-Bewegung erfahren hatte. Noch in Prag organisierte er Dada-Treffen und nahm Kontakt zuden wichtigsten Vertretern des Dadaismus auf. Mit Kurt Schwitters korrespondierte er nach seiner Rückkehr 1921 nach Zagreb.
Aleksic war eigentlich Poet, aber für seine Publikationen wie “Dada jazz” und “Dada tank” auch als Illustrator tätig. Das vonDragan Aleksic angelegte Dada-Archiv landete nach Dragans Tod, so heißt es in der Literatur, 1958 auf der städtischen Mülldeponie. Neben den für die Verbreitung von Kenntnissen über künstlerische Bewegungen vom Ende des Ersten Weltkrieges und der Jahrzehnte danach sehr ungünstigen zeitgeschichtlichen und politischen Bedingungen ist das spärliche Wissen, daswir heute vom Jugo-Dada haben, wohl auch sehr der damaligen Entsorgung unwiederbringlicher Dokumente, Archivalien und künstlerischer Belegstücke zuzuschreiben.
Schätzpreis: 9000,- €
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Mihajlo S. Petrov

(Belgrad 1902-1983 ebda.), “Zenit”. Eitemperaauf Leinwand. Sign. (in lateinischen und kyrillischen Buchstaben), rückseitig bezeichnet “simfonija zenitizma ili teleskopi buducnosti” (Zenit-Symphonie oder Fernrohre in die Zunkunft), dat. (19)22. 33 x 24 cm. – Kleinere Abplatzungen an den Ecken, tls. stärkeres Krakelee.
Konstruktivistische Komposition in Beige, Rot, Blau und Schwarz. – Petrov studierte an der Kunsthochschule in Belgrad, ab 1922 in Wien, später in Krakau und in Paris. Er war von der ersten Stunde an Mitarbeiter an der Zeitschrift “Zenit” und lieferte zahlreiche Linolschnitte zur Illustration der Zeitschrift, aber auch Plakatentwürfe für Veranstaltungen der Zenitisten. Er stand nicht nur mit den Zenitisten, sondern auch mit den Dadaisten in Verbindung. Seine frühen Arbeiten sind stark vom russischen Konstruktivismus beeinflußt, besonders von Melewicz und Tatlin. Nach dem Krieg wandte er sich der Gegenständlichkeit zu, was seiner Karriere diente und ihm eine Professur einbrachte, aber keinerlei internationale Beachtung verschaffte. – Nach Krisztina Passuth entstanden im Umkreis des Jugo-Dada und Zenitismus fast ausschließlich kleinformatige Werke auf bescheidenen Materialien wie Papier, von Arbeiten auf Leinwand habe man kaum Kenntnis (Passuth, Treffpunkte der Avantgarden, Budapest und Dresden 2003, S. 175). Das macht das vorliegende Gemälde auf Leinwand zu einem außerordentlichen Zeugnis des jugoslawischen Dadaismus und zu einem Rarissimum der Kunstavantgarde im seinerzeitigen Königreich Jugoslawien.
Schätzpreis: 18.000,- €
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 Ljubisa Jocic

Belgrad 1910-1978 ebda.), Abstrakte Komposition. Öl auf Leinwand. Sign. und dat. (19)32. 30 x 40 cm.
– Tls. stärkeres, versiegeltes Krakelee.
Abstrakte Komposition in Gelb, Grün, Rot und Braun. – Der aus angesehenem bürgerlichen Haus stammende Jocic studierte ab 1928 Bildhauerei in Paris, wo er die Kunst der dortigen Surrealisten kennenlernte. Womöglich entstand das hier vorliegende frühe Werk unter Einfluß der Arbeiten von Joan Miró, der ab 1920 in Paris residierte. Obwohl Jocic bis in die späten fünfziger Jahre künstlerich tätig war – 1956 stellte er in der Pariser Galerie Le Bon und in Belgrad aus -, bringt man seinen Namen fast nur mit seinen Dichtungen, Übersetzungen und seinem Filmschaffen in Verbindung; sein bildnerisches Werk ist heute nahezu vollständig in Vergessenheit geraten.
Schätzpreis: 9000,- €